Im Forschungslabor

Philippe Cassard veropert einige von Mozarts Klavierwerken

Opernwelt - Logo

Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch.

Auf jeden Fall hat der «Titan» diesem Genre nur ausnahmsweise vertraut, wiewohl er über den «Fidelio» hinaus durchaus noch weitere Pläne im Kopf hatte, etwa einen «Macbeth», der dann gleichsam als Camouflage auf der virtuellen Bühne seines Klaviertrios op. 70,1 auftrat. Mozart hingegen hielt kein fauchendes Operntier im formalen Käfig einer Sonate gefangen, sondern ließ seine – nach Meinung des französischen Pianisten und Dirigenten Philippe Cassard stets «opernhaften» – Erfindungen im umfassenden Arbeitsprozess schwelgend strömen und einander befruchten, sich mal als Arie, mal als Kantate, mal als Konzert, Klaviersonate, Streichquartett, als Trio outen.

Mozart habe, so Cassard im Booklet seines Albums «Mozart à l’opéra», sein «Nicht-Opernwerk» peu à peu in ein «unerschöpfliches Forschungslabor» für jenes Genre verwandelt, in dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
«Singen ist Sport genug!»

Frau Fassbaender, Sie haben einmal in einem Interview gesagt: «Ich habe ein schlechtes Gewissen beim Nichtstun, vielleicht kann ich mir das abgewöhnen.» Sind schon Fortschritte erkennbar?
Nein. Ich bin immer noch rastlos, auch in den Ferien. Da ich eingedeckt bin mit Inszenierungen, hört die Kopfarbeit nicht auf. Das finde ich ja gut! Immerhin: Ich bin so weit,...

Die Taube fliegt nicht mehr

Der Ort ist pikant. Und mit tristen Bildern reichlich gefüllt. Nur wenige Steinwürfe von der Deutschen Oper Berlin wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras im Rahmen der Proteste gegen das iranische Schah-Regime Mohammad Reza Pahlavis getötet, mit einem Schuss in den Hinterkopf. Berühmt geworden ist das Foto,...

Ganz schön raffiniert

Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...