Im Forschungslabor
Ich hab’ eine Oper g’schrieben, da ist alles logisch d’rin», lässt Georg Kreisler den imaginären Komponisten seines «Opernboogies» mit dem schönen Titel «Der Ritter trifft die Ritterin unter einer Linde» behaupten. Die Frage, ob Kreislers an den Paradoxa der Oper rüttelnder Humor auch Mozart und Beethoven amüsiert hätte, erübrigt sich allein historisch.
Auf jeden Fall hat der «Titan» diesem Genre nur ausnahmsweise vertraut, wiewohl er über den «Fidelio» hinaus durchaus noch weitere Pläne im Kopf hatte, etwa einen «Macbeth», der dann gleichsam als Camouflage auf der virtuellen Bühne seines Klaviertrios op. 70,1 auftrat. Mozart hingegen hielt kein fauchendes Operntier im formalen Käfig einer Sonate gefangen, sondern ließ seine – nach Meinung des französischen Pianisten und Dirigenten Philippe Cassard stets «opernhaften» – Erfindungen im umfassenden Arbeitsprozess schwelgend strömen und einander befruchten, sich mal als Arie, mal als Kantate, mal als Konzert, Klaviersonate, Streichquartett, als Trio outen.
Mozart habe, so Cassard im Booklet seines Albums «Mozart à l’opéra», sein «Nicht-Opernwerk» peu à peu in ein «unerschöpfliches Forschungslabor» für jenes Genre verwandelt, in dem ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Gerhard Persché
Der Ort ist pikant. Und mit tristen Bildern reichlich gefüllt. Nur wenige Steinwürfe von der Deutschen Oper Berlin wurde am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg vom West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras im Rahmen der Proteste gegen das iranische Schah-Regime Mohammad Reza Pahlavis getötet, mit einem Schuss in den Hinterkopf. Berühmt geworden ist das Foto,...
Im Zusammenhang mit Johann Simon Mayr fällt dem Autor dieser Zeilen stets der Aphorismus ein, den der Literat Alfred Polgar gleichsam virtuell in eine Marmortischplatte des Wiener «Café Central» ritzte: Mancher Komponist hätte Opern und Symphonien geschrieben und lebte doch nur in einer Fußnote der Musikgeschichte weiter. Im Falle Mayrs bezieht sich diese auf das...
In der Partie der Leonore hat Evelyn Herlitzius weltweit reüssiert. Nun hat sie mit Beethovens «Fidelio» am Hessischen Staatstheater Wiesbaden ihr Regiedebüt gegeben. Das Bühnenbild von Frank Philipp Schlößmann lässt die Zuschauer in ein Gefängnis blicken, das dem «Panopticon» nachempfunden ist, einem vom Philosophen Jeremy Bentham im ausgehenden 18. Jahrhundert...
