Wechselhafte Gefühle
Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei Plutarch fand), dass er die Tragik nicht ohne die Komik aushielt; entsprechend biegsam und ambivalent formte er die Charaktere in seinem Libretto.
Zumal jene Figur, die hier im Titel noch gar nicht aufscheint, interessierte ihn. Und kaum hatte der indische König Porus die imaginäre Bühne betreten, sah er sich schon in einen Mann verwandelt, der die Leidenschaften des Krieges augenblicklich vergaß, wenn er einer schönen Frau begegnete.
Cleofide heißt die Auserwählte, und im Grunde wäre die Sache ganz einfach: Poro, wie er im Italienischen heißt, liebt Cleo, Cleo liebt Poro. Doch an diesem Punkt schreitet Metastasio ein und entfacht ein fantastisches wie fulminantes imbroglio mit lauter seltsamen Wendungen. Die wiederum interessierten Georg Friedrich Händel so sehr, dass er daraus eine Oper zimmerte und darin dem ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 30
von Jan Verheyen
Lieber Herr de Mallet Burgess – Cincinnati, Westaustralien, Neuseeland, nun Helsinki: Ihr Weg als Opernmanager liest sich sehr ungewöhnlich.
Stimmt, und er hat schon ungewöhnlich angefangen: Nach dem Studium in Oxford wollte ich Regie lernen, besonders in England bestand damals aber kaum die Möglichkeiten dazu. Also befolgte ich einen Ratschlag von Peter Brooks:...
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