Sozialstudien
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im zweiten wandelt sich der Kasten zum Inneren eines Frauenklosters, und zuletzt ragt der Dom von Florenz hinter ihm auf.
In Schmedings Inszenierung am Deutschen Nationaltheater Weimar schafft er nicht nur eine sichtbare Verbindung zwischen den drei in Charakter und Sujet stark kontrastierenden Einaktern (Bühne: Ralf Käselau). Praktischerweise transportieren die Hafenarbeiter aus «Il tabarro» bereits die Requisiten für die beiden darauffolgenden Stücke: Möbel, Krempel und eine große Marienstatue.
Die Sozialstudie aus dem Arbeitermilieu ist dabei die am stringentesten erzählte Geschichte des Abends, weil sie ohne viel Federlesens auf die zwischenmenschliche Katastrophe zusteuert. Nur die Projektion einer Paris-Postkarte deutet an, dass sich die Eifersuchtstragödie am Ufer der Seine abspielt – so, wie es Puccini vorsieht: Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Werner Kopfmüller
Im Unterschied zu Hector Berlioz und Claude Debussy ist Gabriel Fauré, der dritte große Komponist Frankreichs im 19. Jahrhundert, hierzulande nie wirklich angekommen. Umso mehr ist es zu begrüßen, dass der französische Bariton Stéphane Degout im Fauré-Jahr 2024 fünf seiner bedeutendsten Liedzyklen in einer glänzenden Neuaufnahme vorlegt. Man muss bis zum jungen...
Der Seeheld glaubt, er sei durchaus berechtigt, seiner vermeintlich untreuen Braut das Leben zu nehmen. Denn er kann sich dabei – kaum zu glauben, aber wahr – auf eine in Italien noch bis vor wenigen Jahrzehnten gültige Rechtsordnung berufen, in der die Tötung aus Eifersucht zu den Kavaliersdelikten zählte. Jedenfalls bei männlichen Tätern. Regisseur Allex Aguilera...
Er ist einer, der die Welt der Kunstmusik gern auf den Kopf stellt. Der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas tut das immer wieder – immer wieder überraschend und immer wieder fruchtbar. Als im Jahre 2000 die FPÖ in die Regierung des ÖVP-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel eintrat, komponierte er das mittlerweile legendäre Ensemblestück «In vain», das über...
