Was von drinnen kommt
Gläserne Strahlkraft. Dramatische Fallhöhe und eine luxurierend ummäntelte Erotik. Die stimmliche Ausstattung von Véronique Gens, wenn man sie live hört, ist etwas Besonderes. Sie lässt sich kaum besser umschreiben als mit dem Ausdruck «grandeur». «Würde», «Herrlichkeit», «Grandezza» – das alles schwingt mit. Nicht sehr moderne Eigenschaften, scheint es. Véronique Gens steht ziemlich einzig da in der französischen Gesangskunst heute.
Obwohl auf CD vorzüglich abbildbar, hat dem Ruhm dieser Stimme bislang vor allem eines im Wege gestanden: Nur wenige kümmert das französische Repertoire, in welchem sie exzelliert. Meyerbeer, Berlioz, Rameau oder Lully, das sind keine Komponisten, mit denen sich heute ein Karriere-Start machen lässt. So ist Véronique Gens eher als Mozart-Sängerin bekannt geworden. Mit einem Komponisten, den sie vorzüglich singt, bei dem aber die Konkurrenzlage eine ganz andere ist. Unter Sängerinnen des französischen Barock indes – mit Ausstrahlung bis hin zur französischen Romantik – ist Véronique Gens heute die ungekrönte Königin.
Ihr Repertoire umfasst inzwischen sogar Werke von Berlioz und Verdi. Auf dem Album «Tragédiennes 3» setzt sie mit ihrem Dirigenten ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Medien/CD, Seite 26
von Kai Luehrs-Kaiser
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