Was ist Treue?
Nachdem die Kölner Oper in den vergangenen zweieinhalb Jahren ein enormes Programm fast ohne Übernahmen und Koproduktionen gestemmt hat, kommt mit dieser Inszenierung nun ein Paradebeispiel des internationalen Kooperationsbetriebs auf die Bühne. Uwe-Eric Laufenbergs Deutung der «Ariadne auf Naxos» kam 1998 in Brüssel heraus, sie war in Straßburg, Barcelona, Bilbao und Tel Aviv zu sehen. Im Kölner Spielplan ist so etwas aber immer noch die große Ausnahme.
Die für Köln frisch aufbereitete Inszenierung ist nach wie vor ansehnlich.
Ausstatter Tobias Hoheisel versetzt das Geschehen in die Entstehungszeit des Stücks: Der hohe, prachtvolle Saal im Wiener Jugendstil dient als Einheitsbühnenbild für Vorspiel und Oper. Das turbulente Vorspiel «hinter den Kulissen» schnurrt – bei feiner, präziser Personenregie – in der bewährten Manier ab. An seinem Ende stellen die Diener Stühle für das zu erwartende «Publikum» auf die Bühne – um sie anschließend gleich wieder abzuräumen. Die Differenz von Innen- und Außenperspektive, mithin die Differenz von behaupteter «Realität» und Kunst, wird schlicht negiert.
Was sich nun in der «eigentlichen» Oper vollzieht, ist die Geschichte einer durch den Verlust ...
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Opernwelt Januar 2012
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Ingo Dorfmüller
Es hätte ein Revoluzzer-«Ring» und eine europäische Attraktion in Kooperation mit dem Bergen-Festival werden sollen. Vier Regisseure, Ende 30, waren avisiert: Stefan Herheim («Rheingold»), der lettische Theater-Mann Viesturs Kairiss («Walküre»), Litauens Castorf Oskaras Korsunovas («Siegfried») und Lettlands Regie-Wunder Alvis Hermanis («Götterdämmerung»). Doch...
Nicht Amiens – Paris – Le Havre – Amerika. In Freiburg begibt Puccinis Oper «Manon Lescaut» sich in Innere der Titelheldin. Ihre Gestalter(innen) sprechen denn auch von inneren Ortswechseln, von ihren «Seelenzuständen». Und solange Yona Kims Inszenierung diese fest im Blick behält, hat auch Manons von der Liebe kaum gebremste Jagd nach Luxus, haben auch ihre Reue...
«Ich erwarte täglich einen Sänger aus Italien, der Preußen sehr gut sein soll», schrieb Kronprinz Friedrich seiner Schwester Wilhelmine Anfang 1737 aus Rheinsberg.(1) Alle Hoffnungen ruhten auf seinem in Rom weilenden Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff – leider vergebens: «Die hiesige [sic] Castraten entschließen sich schwerlich von dannen zu gehen, die...
