Warten auf Tschechow
Durchs Hagener Theater weht ein leiser Hauch von Buenos Aires. Ein Akkordeon ist es, mit einer wehmütigen Melodie, die auch von Astor Piazzolla stammen könnte. Komponiert hat sie aber Péter Eötvös für seine Tschechow-Oper «Tri sestry», als Inbegriff jener Melancholie, die schon im zugrundeliegenden Theaterstück fast alle Personen ergreift, von Beginn an. Tschechows Menschen suchen das (kleine) Glück immer dort, wo es gerade nicht ist, und sie warten auf etwas, das dann meist nicht geschieht. Im schlimmsten Fall das Leben selbst. Ihr Leben. Und das der anderen.
Eötvös’ Partitur bildet das mit feingliedrigem, nie übermäßig aufschäumendem Klangsinn ab, aber auf zwei Ebenen. Joseph Trafton dirigiert im Orchestergraben das filigran spielende Ensemble Musikfabrik, Co-Dirigent Taepyeong Kwak, verborgen hinter meterhoch aufgetürmten Stühlen, die nie benutzt werden, leitet auf der Bühne das klangschön musizierende, vor einem riesigen Spiegel postierte Philharmonische Orchester Hagen. Ein triftiges Bild, zeigt doch jener Spiegel, in den die Protagonistinnen und Protagonisten in «Tri Sestry» schauen, ihnen allen nicht unbedingt die Sahneseite ihrer Existenz. Eher das Gegenteil. Trafton und ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jürgen Otten
Das Ding, um das es heute gehen soll,
Ist super alt, von Sechzehnhundertseben:
Es liebt der Orpheus seine «Dittsche» voll,
Am Arsch der Welt, genauer: Kreisstadt Theben.
Ein Ort, besetzt von vielen fiesen Tieren.
Die «Dittsche» stirbt am Biss von einer Viper,
Drum greift er prompt zum Instrument der Iren:
Zur Harfe – singt, da kommt vom Gate der Keeper
Und meint:...
Keine Kulissen, keine Möbel und erst recht nicht der Versuch, dem antiken Drama eine wohlfeile Aktualität zu verleihen. Nur farblich changierende Neonröhren, die den Gemütszustand der Figuren, und Kostüme, die deren Herkunft und Charakter symbolisieren. Mehr braucht es nicht. Am Theater Erfurt vertraut man voll und ganz Glucks Musik und der ihr innewohnenden...
L’italiana in Algeri» gehört neben «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola» zu den drei beliebtesten, meistgespielten Bühnenwerken Gioachino Rossinis. Mit diesem am 22 Mai 1813 in Venedig uraufgeführten dramma giocoso und dem wenige Wochen zuvor ebenfalls dort herausgekommenen melodramma «Tancredi» begann der Aufstieg des damals gerade 21-Jährigen zum...
