Wahrheit existiert nicht mehr
Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich akzeptieren.
Welche Wege gibt es, unter solchen Voraussetzungen mit der Oper umzugehen? Und was kennzeichnet die Selbstwahrnehmung und Weltwahrnehmung der «Jungen»?
Weil sie keine klar definierten Feindbilder mehr haben und nicht mehr in den lange üblichen Täter/Opfer-Strukturen denken, darf man von den jungen Regisseuren keine großen, lauten Gesten des Protests erwarten. Sie wollen nicht mehr im herkömmlichen Sinn Stellung beziehen. Das bedeutet jedoch keine Gleichgültigkeit gegenüber politischen oder sozialen Missständen, sondern eher Zweifel, was und wie und ob überhaupt etwas bewertet werden soll und kann. Vor allem zweifeln die Jungen an sich selbst. Ein Rest an geborgten Verhaltensmustern aus Zeiten, in denen die Generation ihrer Eltern (auch via Regie) Fundamentalkritik am kapitalistischen System betrieben hat, lässt sie die ...
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Wohl kaum eine Figur der Operngeschichte erlebt so eine niederschmetternde Ausweglosigkeit wie Wozzeck. Wie zeigt man das auf der Bühne? Matthias Oldag, Generalintendant der Theater & Philharmonie Thüringen, und sein Bühnenbildner Thomas Gruber haben sich in Gera für eine simple, aber doch wirkungsvolle Lösung entschieden. Ein Raum, begrenzt von zwei Wänden, einer...
Das alte Rigaer Stadttheater steht noch. Hier war Richard Wagner von 1837 bis 1839 Kapellmeister, gastierten Clara Schumann, Liszt, Berlioz und Anton Rubinstein auf der Reise nach St. Petersburg. Der in die engen Häuserzeilen der Altstadt gezwängte Theatersaal stürzte jedoch bei einer «Dame blanche» ein und wurde 1863 durch ein großzügiges neues Haus am Stadtrand...
In seiner 1899 uraufgeführten Oper «Die Zarenbraut» hat Nikolai Rimsky-Korsakow vor einem breit ausgeführten historischen Gemälde das Schicksal zweier Frauen geschildert, die beide Opfer männlicher Gewalt werden: Marfa, die unglückliche Zarenbraut, weil sie sich nicht wehrt, Ljubascha, die Geliebte des Opritschniks Grjasnoi, weil sie sich wehrt. Die historischen...
