Wahrheit existiert nicht mehr
Die Tendenz ist offenkundig: Viele junge Regisseure, Regie- und Bühnenbildstudierende haben kaum Interesse daran, die bekannten rund sechzig Opern einfach weiter auszupressen, auf der Suche nach einem neuen Sinn. Andererseits: Die Oper fasziniert. Dass sie mit dem Leben hier und heute nichts oder nur wenig zu tun hat, das will eigentlich niemand wirklich akzeptieren.
Welche Wege gibt es, unter solchen Voraussetzungen mit der Oper umzugehen? Und was kennzeichnet die Selbstwahrnehmung und Weltwahrnehmung der «Jungen»?
Weil sie keine klar definierten Feindbilder mehr haben und nicht mehr in den lange üblichen Täter/Opfer-Strukturen denken, darf man von den jungen Regisseuren keine großen, lauten Gesten des Protests erwarten. Sie wollen nicht mehr im herkömmlichen Sinn Stellung beziehen. Das bedeutet jedoch keine Gleichgültigkeit gegenüber politischen oder sozialen Missständen, sondern eher Zweifel, was und wie und ob überhaupt etwas bewertet werden soll und kann. Vor allem zweifeln die Jungen an sich selbst. Ein Rest an geborgten Verhaltensmustern aus Zeiten, in denen die Generation ihrer Eltern (auch via Regie) Fundamentalkritik am kapitalistischen System betrieben hat, lässt sie die ...
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Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und...
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
