Wagner: Tristan und Isolde
Anfangs wollt‘ man fast verzagen. Es war, als entfalte sich das Vorspiel zu «Tristan und Isolde» bei Marko Letonja und dem Sinfonieorchester Basel nicht recht. Zu viel Stückwerk, keine Linie – vor allem aber: kein Sehnen, keine Not, kein Geheimnis und um jenen Tick zu rasch, der verhindert, dass man sich in Richard Wagners Ausdruckswelt einnisten kann. Dafür allerdings und das den ganzen Abend über: eine ganz klare Draufsicht, nichts verschwiemelt.
Dann, mehr und mehr: doch eine große lyrische Dringlichkeit, die nächtlichen Klangwunder aufs Empfindsamste ausgekundschaftet, nachgerade magische Pianissimi und nicht zuletzt tobende Orchesterkonvulsionen, ohne dass den Sängern ein Leids geschieht.
Richard Decker ist mittlerweile ein Tristan, der seine lyrische Vergangenheit nahezu bewahrt und in den mörderischen Rasereien erheblich zuzulegen hat. Dazu eine Isolde mit vielen Voraus-Elogen: Annalena Persson hat den jugendlich leuchtenden Sopranfuror, klingt in den – explosiv herausgeschleuderten – Ausbrüchen bisweilen aber noch spitz und wird die entscheidenden inhaltlichen Akzente noch «bringen» lernen. Brigitte Pinters manchmal etwas säuerliche Brangäne ist solide, Bjorn ...
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