Postmoderne Geschichte
Das war die kurzweiligste Geschichtsstunde, die ich je erlebte: «Garibaldi en Sicile» von Marcello Panni, uraufgeführt an Neapels Teatro San Carlo. Thema des historischen Bilderbogens ist die Befreiung und Eroberung Siziliens durch Garibaldis Freiwilligenregiment im Jahr 1860, die der Herrschaft der neapolitanischen Bourbonen über Süditalien ein Ende bereitete. Über die Landung der «Tausend» in Marsala und ihren Feldzug auf der Insel berichtet die Geschichtsschreibung oft im Stil der Heldensagen.
Panni dagegen behandelt seinen Stoff aus der Distanz von anderthalb Jahrhunderten mit augenzwinkernder Ironie, erzählt die erhabene Geschichte sozusagen in Anführungszeichen. Spielerische Attitüde, Leichtigkeit und Verfremdung sind die Devisen seiner surrealistisch angehauchten Oper, einer Huldigung zu Garibaldis 200. Geburtstag im Jahr 2007.
Ihr liegt eine originelle Dramaturgie zu Grunde. Das Gerüst des Librettos bilden die Berichte über den Sizilien-Feldzug von Alexandre Dumas Vater, der Garibaldi als Kriegschronist begleitet hatte. Dessen unter dem Titel «Les Garibaldiens» veröffentlichte Texte entdeckte der Komponist in einer Pariser Buchhandlung. Sein Kunstgriff: Dumas wird in die ...
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