Wärme und Wahrheit
Hinströmendes Leben voller Wärme und Wahrheit» – mit diesen Worten hat Gustav Rudolf Sellner, der langjährige Intendant der Deutschen Oper Berlin, die künstlerische Ausstrahlung der spanischen Sopranistin Pilar Lorengar charakterisiert, die dort 1958 in Orffs «Carmina burana» debütierte und bis zu ihrem Abschied von der Bühne als Tosca 1991 Mitglied dieses Hauses blieb.
Älteren Opernbesuchern ist sie unvergessen, jüngere Hörer haben jetzt die Gelegenheit, sie in einem weiten Repertoirespektrum kennenzulernen, das neben Opernpartien vor allem Musik aus ihrer spanischen Heimat umfasst. Entstanden sind diese Funkaufnahmen, und das macht ihren besonderen Reiz aus, zu Beginn von Lorengars Berliner Zeit in den Jahren 1959 bis 1962 – also vor den allzu wenigen Einspielungen der Phonoindustrie, die diese Sängerin wie so viele andere vernachlässigt hat. Ludger Böckenhoff hat die Tondokumente, wie man das von ihm gewohnt ist, sorgfältig restauriert und auf seinem Audite-Label veröffentlicht.
Was an allen Aufnahmen besticht, ist die Perfektion, mit der Technik und Emotion in Lorengars Gesang gestalterisch zusammenspielen. Makellose Intonation, flüssiges Legato sowie eine bis in die Höhe ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 44
von Uwe Schweikert
Opernwelt-Jahrbuch
Wo steht das «Opernhaus des Jahres»? Wer ist «Sänger des Jahres», und wer siegt in der Kategorie «Dirigent»? Am 30. September erscheint unser Jahrbuch «Oper 2014». Es enthält die mit Spannung erwartete Kritikerumfrage, Porträts und Interviews sowie
Essays zu den Jubilaren Gluck und Rameau und vieles mehr.
«Trovatore» in Salzburg
Sie haben es...
Was du ererbt von deinen Vätern hast», heißt es in Goethes «Faust», «erwirb es, um es zu besitzen.» Hat man sich das bei der EMI vor Augen gehalten, als es um die Künstlerin ging, deren Erbe wohl mehr Zinsen abgeworfen hat als das von irgendjemand sonst und das jahrzehntelang vom Marketing mit dem absurden Allerlei von «Best of»-Kompilationen geschändet wurde?
«Ca...
Seit über Kunst nachgedacht wird, also schon sehr lange, treibt die Frage um, was Musik eigentlich sei. Das «Schöne», sein Eigenwert, seine Funktion, in Abgrenzung zum «Hässlichen» – darum kreisen die Debatten. Im deutschen Kulturbereich scheint das Thema nach wie vor blockiert. Idee wie Ideologie der «absoluten» Musik haben diese festgelegt auf die kunstreligiöse...
