Wache Ohren

Zum Tod des außergewöhnlichen Komponisten Hans-Joachim Hespos

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Die Würdigung kam spät. Und vermutlich überraschte sie denjenigen, dem sie galt, am allermeisten. Nie je hatte der Komponist Hans-Joachim Hespos viel Aufhebens um seine Arbeit gemacht, das lag einfach nicht in seinem Naturell. Dazu muss man wissen, dass er aus dem ostfriesischen Städtchen Emden stammt, wo er am 13. März 1938 geboren wurde, aus einer Gegend also, wo man lieber schweigt als redet.

Nicht nur eines seiner delikatesten Bonmots («Ich sehe mich in keiner europäischen Tradition, ich bin Ostfriese») kündet von dieser Haltung, auch seine Werke, wie etwa jenes, das 2005 in der «Opernwelt» zur «Uraufführung des Jahres» gekürt wurde – ein Musiktheater der sublimen, sparsamen Gesten, spröde, sperrig, aufgeladen mit Deutungsmöglichkeiten und für die Interpreten äußerst anspruchsvoll. 

Man geht nicht zu weit, wenn man das Musiktheater «iOPAL», das Anfang Mai 2005 an der Staatsoper Hannover herauskam (in einer grandiosen Inszenierung von Anna Viebrock und unter der musikalischen Leitung von Johannes Harneit), als Hespos’ opus magnum bezeichnet, gleichsam als die Quintessenz seines Schaffens und musikalisch-politisch-gesellschaftlichen Denkens. Hespos war seinerzeit «composer in ...

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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Jürgen Otten

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