Gegenzauber
Zum Beispiel der kurze Blick in den Spiegel, ganz links hängt der. «Einen Unseligen labtest du», singt Siegmund und betrachtet sich betrübt, aber ohne jedes Selbstmitleid. Oder zuvor das zweimalige Reichen des Wasserglases, bevor Sieglinde noch eine Flasche Met bringt, vom Bruder anerkennend gewürdigt (die drei Gesten stehen exakt so in der Partitur). Oder der utopische Moment, wenn der Held seinen «Winterstürme»-Schlager beginnt, die Schwester in den Arm nimmt und beide sich im sachten Tanz wiegen – sogar «Ring»-Veteranen im Publikum müssen da schlucken.
Oder die Sekunden vor Hundings Tod, wenn dieser plötzlich ahnt, in welch Intrige höherer Mächte er da geraten ist. Ewig könnte man diese Aufzählung fortsetzen. Eine Unmenge von Details sind das, die sich hier, im Passionsspielhaus Erl, zum stimmigen Ganzen runden. Und beweisen: «Die Walküre» funktioniert wunderbar als reines Menschentheater, ohne Konzeptgewese, ohne Weltentwürfe, die ja gern Dramaturgen-Notwehr sind, weil für die Feinzeichnung das Handwerk fehlt. Ohnehin hat sich Brigitte Fassbaender mit all diesem Thesenballast nie unnötig beschwert. Ob Rossini, Strauss, Verdi oder jetzt Wagner: Stets inszeniert sie von innen ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Markus Thiel, Michael Stallknecht
Am 22. Juli brach der Dirigent Stefan Soltesz während einer Vorstellung von Richard Strauss’ Oper »Die schweigsame Frau» im Orchestergraben des Münchner Nationaltheaters zusammen und starb wenig später. Er wurde 73 Jahre alt. Am selben Ort, fast auf den Tag genau vor 54 Jahren (am 20. Juli 1968), stürzte der Dirigent Joseph Keilberth bei einer Festspielaufführung...
Frau Willis-Sørensen, glauben Sie an Wunder?
(lacht) O ja! Schauen Sie nach draußen, die Natur ist der beste Beweis dafür: Nach einem Winter kommt der Frühling. Und solche kleinen Wunder passieren täglich, sie helfen uns, nicht so hoffnungslos durch die Welt stolpern zu müssen.
Müssen die Wunder religiöser Natur sein, oder dürfen es auch einfach nur Wunder der...
Frau von der Damerau, zunächst Ortrud, dann Brünnhilde, bald Ariadne – fühlen Sie sich stimmlich endlich im dramatischen Fach angekommen?
Nein. Ich plane eher virtuos. Deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, dass ich irgendwo angekommen bin. Man kann in diesem Beruf nicht allein über seine Entwicklung bestimmen, man muss auch mit den richtigen Partien besetzt...
