Voyage intime
Sandrine Piaus neuestes, gemeinsam mit ihrem inspirierenden Klavierpartner David Kadouch konzipiertes Liedprogramm ist ein Bekenntnis. Es lädt zu einer intimen Reise an die vergangenen, erinnerten, ersehnten und unerreichbaren Orte unseres Lebens ein – «bis hin zum letzten Weg in den Tod», wie sie selbst sagt. Gereist wird in zwei Sprachen, zwei Musikkulturen, auf Deutsch und Französisch – man darf dies ebenfalls als ein Bekenntnis verstehen.
Im Gepäck befinden sich einige der populärsten Lieder des Repertoires – Mörike-Vertonungen von Hugo Wolf, Goethe-Vertonungen von Franz Schubert sowie Baudelaire-Vertonungen von Henri Duparc und Claude Debussy. Für die erwünschte genderaffine Diversität sorgen Kompositionen Clara Schumanns und Lili Boulangers. Die Klammer ums Ganze setzen zwei konträre Lieder des musikalischen Weltbürgers Franz Liszt: «Der Fischerknabe» auf einen Text aus Schillers «Wilhelm Tell» und «Comment, disaient-ils» auf Verse Victor Hugos.
Sandrine Piau kann sich ein solches Programm leisten und besteht dessen Herausforderung – sprachlich, stimmlich, intellektuell. Sie hat ihre schlanke, gut geführte Stimme technisch wie interpretatorisch nach wie vor voll im Griff. ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert
Mit seiner Inszenierung von Wagners «Parsifal» – einer der tiefsinnigsten und bildmächtigsten Regiearbeiten während der Intendanz von Peter Gelb – feierte François Girard 2013 einen Triumph an der Met. Enttäuschend fiel dagegen sieben Jahre später seine Lesart des «Fliegenden Holländers» aus, mit einer ineffektiven Personenführung und überflüssigen Videoeffekten....
Das Licht geht aus, wie von Geisterhand setzen sich die Tasten des Flügels in Bewegung. In der Mitte des Raumes beginnt sich die kreisförmige Zuschauertribüne um die eigene Achse zu drehen. Langsam fährt das verblüffte Publikum an Podesten vorbei, auf denen mehrere Sängerinnen und Sänger in blau leuchtenden Perücken hinter halbdurchsichtigen Gaze-Schleiern sitzen –...
Eine verschleierte Frau auf die Bühne zu bringen, birgt gewisse Gefahren. Das Motiv ist derzeit stark konnotiert, der Vorwurf der Islamophobie liegt allzu nahe. Zwar lässt sich die «verhüllte» Königin der Nacht noch unter altägyptischem Mummenschanz verstecken, den es freimaurerisch zu entrümpeln gilt, auch Salomes sieben Schleier sind als erotisches Accessoire...
