Feuer im Eis
Leise rieselt der Schnee. Unablässig, dichter und dichter werdend, eine Stunde lang. Die Figuren müssen sich in dieser Winterlandschaft vorkommen wie der brave Hans Castorp aus Thomas Manns «Zauberberg», der sich bei einem Ausflug ins Gebirg’ zusehends verirrt und von den Schneemassen fast zugeschüttet wird. Eine Grenzerfahrung birgt auch Romeo Castelluccis Winterlandschaft, vor allem für Leukippos, den tapferen Hirten, der stürmisch und sterblich in Daphne verliebt ist, seine Gespielin aus vormaliger (besserer?) Zeit, sowie für die Bergnymphe und Priesterin der Gaea selbst.
Doch sie sucht förmlich nach dieser grundsätzlichen Naturerfahrung, ahnend, wenn nicht wissend, dass sie zu den Menschen nicht gehen will, zu ihrer Oberflächlichkeit, Selbstbezogenheit und Lieblosigkeit. Daphne, die radikal Andere, rebelliert bewusst gegen verkrustete gesellschaftliche Konventionen, die ihr eine «Rolle» zuschreiben, die sie nicht mag, ja nicht einmal «spielen» will. Dann doch lieber bei sich sein, solipsistisch-autonom, in (und mit) der Natur. Schon nach wenigen Minuten, der markante Hornruf zum Dionysos-Fest ist ungehört verhallt, entledigt sich Vera-Lotte Boecker ihres schützenden Mantels, ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten
Wenn dies auch Tollheit ist, hat es doch Methode», scheint mit Shakespeares «Hamlet» die Devise dieser Aufführung zu sein. «Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro» heißt (übersetzt) der Titel von Beaumarchais’ aufrührerischer Komödie, die Mozarts und Da Pontes Oper zugrunde liegt. In Barbora Horá-kovás Inszenierung, die das Nationaltheater Mannheim im...
Es war ein politisches Großereignis, als Maria Theresia, Infantin von Spanien, Louis, den Dauphin von Frankreich, heiratete, Ende 1744 in Madrid wie Anfang 1745 in Versailles. Obwohl zum ersten Termin noch der Ehemann fehlte, weil Louis sich, was nicht unüblich war, bei seiner eigenen Hochzeit vertreten ließ: An der Repräsentation wurde nicht gespart, mithin auch...
Herr MacNeil, auf Youtube gibt es einige Videos mit Ihnen. In einem ist zu sehen, wie Sie Rad schlagen. Wollten Sie ursprünglich Artist werden?
Ich wollte zunächst Lehrer werden. Aber nicht für Radschlagen. Das mache ich einfach gern, manchmal auch auf der Opernbühne. Regisseure mögen es ja, wenn jemand akrobatische Dinge beherrscht. In Humperdincks «Königskindern»...
