Vox humana
Die Romantiker schienen mit dem Gesang geboren. Die Literatur der Zeit jedenfalls ist voller Sänger. Figuren, die eigens gedichtete Lieder vortragen, die an den unterschiedlichsten Orten zu unterschiedlichsten Gelegenheiten ihre Stimme erheben, für die das Singen selbstverständlich zu sein scheint. Der Gesang wird zum Lebensgefühl einer Epoche. Ihnen folgten die Realisten – und die Melodien verstummten.
«Dafür werden Gesang und Stimme detaillierter beschrieben und mit der Psychologie der Figuren in Verbindung gebracht», behauptet Franziska Ehinger zu Beginn einer Untersuchung, in der sie ein musikalisches Randthema in der Literatur von Gottfried Keller, Eduard von Keyserling und Thomas Mann unter die Lupe nimmt. Wie also – so lautet die allgemeine Frage – spiegelt sich in literarischen Texten eine Entwicklung, die bis heute anhält und die zum Spiegel eines merkwürdigen gesellschaftlichen Wandels geworden ist? Denn Fakt ist: Es wird (zu) wenig gesungen. Während mit der Schwelle zum 19. Jahrhundert die Welt gesanglich durchdrungen schien – von singenden Vögeln über metaphorische, mithilfe des Stimm-Vokabulars wiedergegebene Schilderungen diverser Naturphänomene bis hin zum bloßen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es sei ja schön, dass der neue Papst Klavier spielen könne, sagte Karlheinz Stock-hausen kürzlich in einem Interview. Noch schöner wäre es freilich, wenn Benedikt XVI. «Fortschritte machen und auch meine Klavierstücke spielen würde, anstatt nur Bach und Beethoven». Das ist weniger preziös, als es klingt. Stockhausen ist ein Papst der klingenden Moderne und zugleich...
Die neue Herausforderung für das Opern-Theater: Wie lassen sich neue mediale Ausdrucksmittel, Film oder Video, mit der überlieferten Werkgestalt aus Musik, Gesang, Handlung samt fixiertem Ort derselben verbinden, womöglich gar in dieselbe integrieren? An Versuchen fehlt es nicht, besonders nicht in der Moderne. Olga Neuwirth etwa experimentiert auf diesem Gebiet...
Mozarts Briefe – man glaubt sie zu kennen, und kennt sie doch nicht. Oft wurden die «Häsle Bäsle» Briefe zitiert oder die verzweifelten Versuche des Sohnes, den Vorwürfen seines Vaters zu begegnen. Immer wieder sind sie Stoff für innovative Theaterprojekte, daneben auch Forschungsgegenstand der Musikwissenschaft, die aus Mozarts Äußerungen zu musikalischen Fragen...
