Vox humana

Franziska Ehingers Studie über Gesang und Stimme bei Keller, Keyserling und Thomas Mann

Opernwelt - Logo

Die Romantiker schienen mit dem Gesang geboren. Die Literatur der Zeit ­jedenfalls ist voller Sänger. Figuren, die eigens gedichtete Lieder vortragen, die an den unterschiedlichsten Orten zu ­unterschiedlichsten Gelegenheiten ihre Stimme erheben, für die das Singen selbstverständlich zu sein scheint. Der Gesang wird zum Lebensgefühl einer Epoche. Ihnen folgten die Realisten – und die Melodien verstummten.

«Dafür werden Gesang und Stimme detaillierter beschrieben und mit der Psychologie der Figuren in Verbindung gebracht», behauptet Franziska Ehinger zu Beginn ­einer Untersuchung, in der sie ein musikalisches Randthema in der Literatur von Gottfried Keller, Eduard von Keyserling und Thomas Mann unter die Lupe nimmt. Wie also – so lautet die allgemeine Frage – spiegelt sich in literarischen Texten eine Entwicklung, die bis heute anhält und die zum Spiegel eines merkwürdigen gesellschaftlichen Wandels geworden ist? Denn Fakt ist: Es wird (zu) wenig gesungen. Während mit der Schwelle zum 19. Jahrhundert die Welt gesanglich durchdrungen schien – von singenden Vögeln über metaphorische, mithilfe des Stimm-Vokabulars wiedergegebene Schilderungen diverser Naturphänomene bis hin zum bloßen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: magazin, Seite 21
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Vielleicht komponiere ich irgendwann eine Oper»

Frau Lukacs, Sie waren gerade zwanzig Jahre alt, als Sie ihr Debüt an der Buda­pester Staatsoper gaben – als Leonora in «Il trovatore». In diesem Alter beginnen die meisten gerade erst ihr Gesangsstu­dium. Waren Sie ein Wunderkind?
Nein, eigentlich nicht. Ich wollte überhaupt nicht Sängerin werden. Ich dachte immer, Sänger sind keine «richtigen» Musiker. Ich habe...

Tell auf Schottersteinchen

Am 24. Oktober 1998 kam Gioacchino Rossinis «Guillaume Tell» in einer Inszenierung von David Pountney erstmals nach Wien. Zumindest was die französische Fassung betrifft (vgl. OW 12/98). Der ORF hat diesen Premierenabend mit seinen Mikrofonen begleitet und den Mitschnitt im Schiller-Jahr zur Veröffentlichung bei Orfeo freigegeben.
Da die diskografische Situation...

Faszinierende Unerbittlichkeit

Meine Berührungen und Erfahrungen mit der Musik von Karlheinz Stockhausen wurden durch die nächtlichen Studiosendungen des Bayerischen Rundfunks und des Hessischen Rundfunks Ende der fünfziger Jahre ermöglicht. Instinktiv vermittelte sich mir hierbei eine einzigartige schöpferische Persönlichkeit, von der, ich kann es nicht anders sagen, eine außergewöhnliche, aber...