Nackter Beton

Kassel, Strauss: Elektra

Opernwelt - Logo

«Elektra» unter äußerlich schwierigen Vorzeichen im «Kuppeltheater», der bühnentechnisch beschränkten Ersatzspielstätte in Kassel. Dominik Neuner hat dem reißenden Strom der Töne eine saubere, karge Inszenierung zur Seite gestellt. Die Bühne wird von großen Betonfragmenten einer zerbrochenen Welt beherrscht. Der Raum für die Personen ist stark eingeengt. Elektra haust in einer Höhle, der «Palast» der Klytämnestra wirkt wie ein Eingang in die Unterwelt.

Für das, was sich die drei Frauen zu sagen haben, reicht der Platz, sprechen sie doch nur jede für sich und an der anderen vorbei, die Mutter, die ihre üblen Träume nach draußen treibt, die Schwes­­ter Chrysothemis, die sich ein «Weiberschicksal» ersehnt, und natürlich die Titel­heldin, für die es nur das Eine gibt, die Rache. Vertane Leben eins wie das andere. Neuner gelingt es nachvollziehbar, die  Psychogramme dieses fatalen Terzetts zu skizzieren.
Kurz vor Schluss kommt dann der Moment, der alles auf einen Punkt bringt. Klytämnestra ist tot, Aegisth ist tot, Orest hat sein blutiges Handwerk verrichtet. Die machtlose Schwester, die ihm nicht einmal das Beil reichen konnte, das einst Agamemnon fällte, hat erreicht, worauf sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 42
von Johannes Mundry

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ausgesperrte Natur

Die Natur ist quasi verbannt. Das ist gut, weil so klar wird, dass es nicht um Edelweiß-Romantik geht. Gleichzeitig ist dies von Nachteil, weil dadurch die symbolische Ebene der Natur völlig ausgeblendet wird. Wenn Nicolas Joël an der Düsseldorfer Rheinoper Alfredo Catalanis «La Wally» inszeniert und dabei Felsen, Sturzbäche und Lawinen von der sichtbaren Bühne...

Mascagni: Cavalleria rusticana/Leoncavallo: I pagliacci

Mit ihrer neuen Produktion beweist die Deutsche Oper Berlin Kontinuität: Auf der Bühne dominieren große Namen, im Graben gibt der soundsovielte Top-Kandidat für die Thielemann-Nachfolge den Takt an, im Saal werden Bravi und Buhs unberechenbar ausgeteilt. Was David Pountney und sein Ausstatter Robert Innes Hopkins als bewährtes «Cavalleria/ Pagliacci»-Doppel...

Kurioses Fundstück

Viel fehlte nicht, und das vermutlich merkwürdigste Relikt aus Wagners tristester ­Lebensphase wäre im Orkus der Musikgeschichte verschwunden: Nur ein einziges gedrucktes Exemplar seiner 1840/41 entstandenen Bearbeitung von Donizettis «La Favorite» für zwei Violinen hatte sich im Nachlass des französischen Pianisten und glühenden Wagnerianers Alfred Cortot erhalten...