Poesie des Dreiecks
Das Berner Stadttheater zeigt nicht nur mehrere, sondern auch diametral entgegengesetzte Gesichter. Nach der an Peinlichkeiten reichen Produktion von Catalanis «La Wally» (OW 4/2005) in der Regie von Renata Scotto nun also Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» in einer schlichten, aber überaus luziden, eindrucksvollen Inszenierung.
Dass man mit diesem Werk ein Erfolgsstück für den Programmpunkt Zeitgenössische Oper gewählt hat, ist legitim und hat sich in Bern bereits als geschickter Zug erwiesen. Eötvös’ Kompositionen sind in Musik gesetzte Geschichten.
Der Komponist erzählt Tschechows handlungsdünnes Konversationsstück «Drei Schwestern» in drei «Sequenzen» jeweils aus dem Blickwinkel einer Person, Irina, Andrej und Mascha. Dadurch entsteht eine Vielzahl von Dreieckskonstellationen. Zeiten und Vorgänge sind multiperspektivisch überlagert. Die sinnleeren Lebensentwürfe der Tschechow’schen Gestalten erhalten eine klangliche Hülle, die inneren Erschütterungen eine musikalische Sprache. Die Klanggesten des Komponisten schaffen eine plastische Kommunikation, indem Eötvös etwa einzelnen Figuren bestimmte Instrumente zuordnet. Zudem bindet er die Musik an zwei Klangkörper: Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wer Stéphane Lissner begegnet, in Aix-en-Provence, in Paris, in Wien, trifft einen eher zurückhaltenden, ruhigen Menschen, der einen freundlich begrüßt. Wer sich allerdings die Liste der Positionen durchliest, die der 1953 in Paris geborene Lissner im Laufe der letzten dreißig Jahre besetzte und zu einem nicht unwesentlichen Teil noch besetzt hält, der muss...
Elends-Ambiente, die blanke Not gibt es weder in Freiburg noch in Mannheim. Beide «Wozzeck»-Inszenierungen, die von Markus Lobbes in Süd- wie die von Olivier Tambosi in Nordbaden, munitionieren sich nicht im sozialen Umfeld der Gestalten. Ihre Ortlosigkeit ist total. Gottfried Pilz’ Mannheimer Bühne ist ganz leer: Sand, nichts als Sand, ein Hauch von Zirkus, von...
Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie...
