Poesie des Dreiecks
Das Berner Stadttheater zeigt nicht nur mehrere, sondern auch diametral entgegengesetzte Gesichter. Nach der an Peinlichkeiten reichen Produktion von Catalanis «La Wally» (OW 4/2005) in der Regie von Renata Scotto nun also Peter Eötvös’ Tschechow-Oper «Tri sestri» in einer schlichten, aber überaus luziden, eindrucksvollen Inszenierung.
Dass man mit diesem Werk ein Erfolgsstück für den Programmpunkt Zeitgenössische Oper gewählt hat, ist legitim und hat sich in Bern bereits als geschickter Zug erwiesen. Eötvös’ Kompositionen sind in Musik gesetzte Geschichten.
Der Komponist erzählt Tschechows handlungsdünnes Konversationsstück «Drei Schwestern» in drei «Sequenzen» jeweils aus dem Blickwinkel einer Person, Irina, Andrej und Mascha. Dadurch entsteht eine Vielzahl von Dreieckskonstellationen. Zeiten und Vorgänge sind multiperspektivisch überlagert. Die sinnleeren Lebensentwürfe der Tschechow’schen Gestalten erhalten eine klangliche Hülle, die inneren Erschütterungen eine musikalische Sprache. Die Klanggesten des Komponisten schaffen eine plastische Kommunikation, indem Eötvös etwa einzelnen Figuren bestimmte Instrumente zuordnet. Zudem bindet er die Musik an zwei Klangkörper: Ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Was deutsch und echt, scheint manchem Engländer noch immer verdächtig. Vor allem die «Tabloids», die Boulevardzeitungen, lassen kaum eine Gelegenheit aus, den Teutonen verbal eins aufs Haupt zu geben, sei’s beim Fußball, sei’s gar beim bayerischen Papst. Die respektlos-flapsige Headline der «Sun», «From Hitler youth to Papa Ratzi», hat in Deutschland böses Blut...
Einen Monat nach Italo Montemezzis erfolgreicher Uraufführung von «L’amore dei tre re» an der Mailänder Scala 1913, die jetzt als Koproduktion mit dem Theater Erfurt in Turin herauskam, sorgte Strawinskys «Sacre du Printemps» in Paris für einen Skandal. Hier wie dort gibt es ein tragisches Frauenopfer – blutrünstiges Modethema vor dem Ersten Weltkrieg. Montemezzi...
Die Kugelgestalt der Zeit, das Über-, Mit- und Durcheinander von (Vor-)Gestern und Morgen: Wäre das ein Konzept für die Oper der Zukunft? Christoph Cech suchte dieses Prinzip bei der Neuen Oper Wien an «Orfeo» zu realisieren. Seine Schöpfung geriert sich als Palimpsest, das Spuren von Monteverdi mit zeitgenössischen Mitteln überschreibt. Vom Cremoneser Altmeister...
