Vor allem lustvoll
Wenn sie sich dazu entschieden haben, mich zu töten, heißt das, dass wir unglaublich stark sind.» Letzte Worte, aufgenommen vor dem nicht angekündigten, aber doch erwartbaren Tod. Und es ist keine bemüht aktualisierende Regie-Idee – der tragische Fall Alexej Nawalny spukt ohnehin durch diese Aufführung. Also soll dem gerade Ermordeten per Lautsprecher-Zitat auch das Finale gebühren. Nicht erst in diesem Moment erwächst aus dem Abend Beklemmung, weil er sich mit der Realität überschneidet.
Die musiktheatrale Performance «Einladung zur Enthauptung» basiert auf dem gleichnamigen Roman von Vladimir Nabokov. Cincinnatus, ein zum Tode Verurteilter, erwartet in einer kafkaesken Situation seine Hinrichtung. Ein vorgeblicher, clownesk überdrehter Mitgefangener entpuppt sich als Henker.
Mehr Ambition geht kaum. Zumal dieser 90-Minüter nicht die einzige Neuproduktion der Theaterakademie August Everding innerhalb weniger Wochen ist. Aus dem Stadium, als zur Nachwuchsbeschäftigung Immergleiches à la «Così fan tutte» einstudiert wurde, ist das Institut im Münchner Prinzregententheater längst hinaus. Während also die groteske «Enthauptung» in der Reaktorhalle, einer Art Werkstattbühne, vollzogen ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Markus Thiel
Als im Februar 2022 – als Resultat einer halbhundertjährigen editorischen Herkulesarbeit – der letzte Band der Kritischen Ausgabe «Sämtlicher Werke» Hugo von Hofmannsthals erschien, war eine der größten bibliografischen Lücken in der Wunderkammer der Weltliteratur geschlossen und ein Œuvre erfasst, welches in seiner stilistischen, semiotischen und literarischen...
Unermüdlich wirkt der Geist, der forscht. 92 Jahre alt ist Alexander Kluge, einer der maßgeblichen Intellektuellen dieses Landes, im Februar geworden und nach wie vor mit einer Wachheit gesegnet, die sich viele jüngere (und wokere) Teilnehmer an gesellschaftspolitisch-künstlerischen Diskursen vermutlich wünschen würden. Jüngster Beleg ist ein gemeinsam mit Sonja...
Herr Tsangaris, Herr Ott, wenn man auf die inzwischen ziemlich lange und reiche Geschichte der Münchener Biennale blickt, kann man vielleicht zunächst zwei Phasen unterscheiden. Gründer Hans Werner Henze setzte gern auf junge Künstlerinnen und Künstler, auch aus seinem unmittelbaren Umfeld, Peter Ruzicka als zweiter Biennale-Chef wollte vor allem Komponistinnen und...
