Glaube, Liebe, Hoffnung
Fünf Grad, Regen, Wind: Wir wissen nicht, wie viele Demonstranten sich bei anderem Wetter eingefunden hätten. So bleibt es bei einem halben Dutzend in der Hofstallgasse, das der vorbeihastenden Gala-Gemeinde ein «Netrebko, no stage!» entgegenruft. Vielleicht ist es auch ein Symptom. Auftritte der Diva sind, zumindest im südlicheren Europa, inzwischen fast Normalfall. Zumal hier, in Salzburg, wo die Osterfestspiel-Premiere ausgerechnet mit dem chorischen Appell «Feste e pane» anhebt.
Dabei ist «La Gioconda» für das Festival eigentlich ein Unding.
Nur zwölf Opern-Hits vertrage das österliche Spektakel mit seinen Ticket-Preisen bis zu 490 Euro, rechnete der ehemalige Intendant Peter Ruzicka vor. Nachfolger Nikolaus Bachler setzt für das kaum gespielte Bühnenwerk von Amilcare Ponchielli auf hohe Star-Dichte. Das Ergebnis: drei ausverkaufte Abende, Standing Ovations. Für Anna Netrebko kommt die Titelpartie gerade recht. Diese bewegt sich gern in der Mittellage mit gelegentlichen Ausflügen in Bereiche oberhalb des Notensystems. Dafür setzt die Netrebko ihr feines Flötenregister ein. Ansonsten hört man Reichhaltiges, eine satte, dunkle Substanz, eine Lust zur Offensive. Wie schon im ...
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Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Markus Thiel, Jürgen Otten
Wolfgang Rihms Musiktheater «Die Hamletmaschine», 1987 in Mannheim uraufgeführt, hat immer Respekt erfahren, aber dazwischen verging jedes Mal sehr viel Zeit. Geradezu enigmatisch ist Heiner Müllers Textvorlage, immens der Aufwand. Nur wer zu beidem bereit ist – großen Aufwand für unlösbare Rätsel zu betreiben –, hat etwas davon. Zum Beispiel das Staatstheater...
Frau Höckmayr, fangen wir mit einem ganz einfachen Thema an – mit der Macht. Was fällt Ihnen zu diesem Topos ein?
Macht ist davon abhängig, wie sie benutzt wird. Sie kann beschneiden, sie kann ermöglichen. Und: Wir müssen sehr präzise sein, bevor wir schimpfen. In der Politik, wie im Opernbetrieb, sind die Details zu komplex, um zu verallgemeinern. Mein Blick auf...
Marc-Antoine Charpentier, der große Konkurrent Jean-Baptiste Lullys und bedeutendste Kirchenkomponist des französischen Barock, ist hierzulande nach wie vor ein Geheimtipp. Lullys Alleinherrschaft über die Pariser Académie royale de musique verwehrte ihm die Opernbühne und überließ ihm nur den Nebenschauplatz der Bühnenmusik zu Molières Theaterstücken. Sein...
