Von Wagner zu Donizetti
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine Offizierslaufbahn fortsetzen. Aber ich habe dort Tragisches erlebt, ich verlor einige Freunde. Dazu kam die Kälte und die generell schwierige Situation, das alles hat mir sehr zu schaffen gemacht.
Nach dem Militärdienst bin ich in die Ukraine zurückgegangen. Eine ziemlich komplizierte ökonomische und politische Situation, nicht nur für das Land, auch für mich.
Helfen Ihnen die Erfahrungen, die Sie vor dem Start Ihrer Sängerlaufbahn machten?
Wissen Sie, ich komme aus einer christlichen Familie. Der Kommunismus war gerade für meinen predigenden Vater eine furchtbare Sache. Er musste sich und unsere Familie schützen, da er immer Angst hatte, wegen seines Glaubens eingesperrt zu werden. Jede Woche nahm er mich mit in die Kirche. Ich erinnere mich, 1974 oder 1975 muss das gewesen sein, als die Polizei in die Kirche kam und alle ...
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Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Interview, Seite 30
von Markus Thiel
Jules Massenets «Conte de fées», seine Lesart also des über das Aschenbrödel-Märchens, wird selten gespielt. Wie Rossini in der ungleich populäreren Version «La Cenerentola» setzt auch Massenet in seiner 1899 uraufgeführten Märchenoper die ekstatischen Traumbilder von Cendrillon und ihrem Märchenprinzen – im französischen Original «Le Prince Charmant» – in einen...
Die Vorstellung ist, horribile dictu, absurd. Ewige Nacht. Es wäre ein Leben ohne Licht, ein Dasein im Dunkel, hoffnungslos-haltlos. Doch kaum vernimmt man die ersten Töne aus Robert Johnsons «Care-charming sleep», hat man die Sorgen schon vergessen. Ein ätherisches Wesen scheint, von irgendwoher, das Wort an uns zu richten. Und so organisch, so rein und...
Entdeckungen sind bei einem Komponisten wie Giacomo Puccini kaum mehr zu machen. Auch ein Frühwerk wie «Edgar» ist, wenngleich kein Repertoireknüller, leidlich bekannt, in Aufnahmen dokumentiert. In seiner dreiaktigen Gestalt. Doch die ist nicht das, was Puccini ursprünglich zu Papier gebracht hatte. Was, wenn «Edgar» nicht seine zweite Oper gewesen, sondern nach...
