Von Hoffnung und Zweifel
Seit nunmehr einem Dreivierteljahr darf sich Chemnitz Kulturhauptstadt Europas 2025 nennen. Über 200 Projekte laden das Publikum zu Besuch und breiter Beteiligung ein – mit großem Erfolg. Auch die Oper Chemnitz trägt zu der ungeheuren Programmfülle bei und bietet eines der Highlights des Kulturhauptstadtjahres. Zur Eröffnung der Saison 2025/26 bringt sie das Auftragswerk «Rummelplatz» nach einem Roman von Werner Bräunig heraus. Die Uraufführung findet am 20. September 2025 im Opernhaus statt.
Einige werden sich an die Resonanz in den deutschsprachigen Feuilletons erinnern, die Bräunigs Opus magnum 2007 hervorrief, als es aus dem Nachlass herausgegeben wurde. Es galt als Entdeckung, der Autor wurde für seine charismatische Erzählkunst mit Heinrich Böll und Uwe Johnson verglichen. Im Umfeld des sowjetischen Uranbergbaus im Erzgebirge während der Anfangsjahre der DDR angesiedelt, zeigt das Werk ein äußerst vielstimmiges, differenziertes Gesellschaftspanorama. Seine kritisch-realistische Auseinandersetzung mit der DDR, wo er mit seinem Schreiben zur Öffnung des Diskurses über die gesellschaftliche Entwicklung beizutragen hoffte, brachte Bräunig in Konflikt mit der Staatsmacht. Das ...
ZUKUNFTSMUSIK
Das «unmögliche Kunstwerk» Oper lebt, allen Unkenrufen zum Trotz. Als Beleg mögen abseits der Pflege des kanonischen Repertoires auch und vor allem jene Stücke dienen, die sich mit der Tradition der Gattung auseinandersetzen, dabei aber neue Wege beschreiten. Um solche Werke des Musiktheaters soll es in dieser Rubrik gehen: um Uraufführungen, in denen neue Narrative kreiert werden und die Form selbst auf dem Prüfstand steht, zugleich aber auch jene Rezeption befragt wird, die sich mit der Wiederholung überlieferter Deutungsmuster begnügt. Zu Wort kommen Komponistinnen und Komponisten, Dramaturginnen und Dramaturgen sowie Dirigentinnen und Dirigenten.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 97
von Johannes Frohnsdorf
Etwas ist anders als sonst. Etwas, das sich mit Worten nur schwer beschreiben lässt, aber in vielen Momenten spürbar wird, mal in einem vertraulichen Gespräch, mal beim Gang in eines der Theater der Stadt, mal in dem Augenblick, wenn sich der Vorhang hebt. Und mal einfach so: Der Chef fehlt. Und damit Hirn, Herz und Seele des Festivals d’Aix-en-Provence. Pierre...
Wer am Nachmittag vor der Vorstellung noch ein paar Kilometer auf dem Albschäferweg wandert, wähnt sich in einem nachgerade antikischen Arkadien. Da weht ein laues Lüftchen durch die sommerliche Heidelandschaft, die Herden der hier noch wie eh und je umherziehenden Wanderschäfer laufen einem über den Weg. Da will man doch gleich darüber sinnieren, ob das initiale...
Kinderoper, das kann zweierlei sein: eine Oper für Kinder, aber auch eine Oper von Kindern gemacht. In Berlin, wo das Angebot für den Publikumsnachwuchs groß ist, gibt es beide Versionen in starker Ausprägung. Die Komische Oper hat sich mit ihren Produktionen für Kinder einen sicheren Ruf erworben: Fast immer handelt es sich bei den Stücken um Auftragswerke des...
