Editorial OW 9/25
Ein Blick in die Spielpläne genügt, um sicher zu sein: Das Leiden geht weiter. Auch in der gerade angelaufenen Saison betreten jene Frauen, die entweder im (Liebes-) Wahnsinn enden, an Schwindsucht und Auszehrungen anderer Arten sterben oder selbstbestimmt den (heroischen) Freitod wählen, wieder die Bühnen der Welt und versetzen das Publikum in aristotelische Erschütterung.
All diese Verratenen und Verkauften tun es, indem sie von ihren Qualen singen, und das so schmerzlich schön, dass man bisweilen vergisst, dass das ja alles nur gespielt ist – eine simulation professionelle. Interessant ist hier ein Blick hinter die Kulissen. Und damit die Frage, wie viel Herzblut wirklich fließt und, mehr noch, wie groß der Druck auf Sängerinnen ist, die im Rampenlicht stehen. Juliane Sauters Dokumentarfilm «Primadonna or Nothing» stellt diese Frage nun aufs Neue –und beileibe nicht so kategorisch, wie es der Titel suggeriert. Auf der Leinwand erleben wir drei Sängerinnen aus zwei Zeiten in Wort, Klang und Bild: da die (2023, ein Jahr nach den Dreharbeiten, verstorbene) Primadonna assoluta Renata Scotto, hier die Sopranistin Angel Blue und die Mezzosopranistin Valerie Eickhoff. Es ist eine ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich...
Singen hilft immer. Auch in den schwersten Momenten unseres Lebens, wenn der oder die Liebste für immer dahingegangen ist. «O let me weep, for ever weep» – so lautet die erste Zeile jener Gedichtvertonung, die in einer posthumen Aufführung von Henry Purcells Masque »The Fairy Queen» auf Shakespeares somnambule Komödie «A Midsummer Night’s Dream» anno 1698 im...
Alfredo, Duca, Rodolfo, die typischen Hits eben. Traditioneller, konventioneller, abgegriffener geht es kaum, möchte man meinen. Wobei die Tenöre Liparit Avetisyan und Kévin Amiel wenigstens ehrlich sind. Während sich mancher Kollege umständlich bis krampfig in Randbereichen des Repertoires tummelt, um bei Experten und Nerds Aufmerksamkeit zu erregen, setzen die...
