Editorial OW 9/25
Ein Blick in die Spielpläne genügt, um sicher zu sein: Das Leiden geht weiter. Auch in der gerade angelaufenen Saison betreten jene Frauen, die entweder im (Liebes-) Wahnsinn enden, an Schwindsucht und Auszehrungen anderer Arten sterben oder selbstbestimmt den (heroischen) Freitod wählen, wieder die Bühnen der Welt und versetzen das Publikum in aristotelische Erschütterung.
All diese Verratenen und Verkauften tun es, indem sie von ihren Qualen singen, und das so schmerzlich schön, dass man bisweilen vergisst, dass das ja alles nur gespielt ist – eine simulation professionelle. Interessant ist hier ein Blick hinter die Kulissen. Und damit die Frage, wie viel Herzblut wirklich fließt und, mehr noch, wie groß der Druck auf Sängerinnen ist, die im Rampenlicht stehen. Juliane Sauters Dokumentarfilm «Primadonna or Nothing» stellt diese Frage nun aufs Neue –und beileibe nicht so kategorisch, wie es der Titel suggeriert. Auf der Leinwand erleben wir drei Sängerinnen aus zwei Zeiten in Wort, Klang und Bild: da die (2023, ein Jahr nach den Dreharbeiten, verstorbene) Primadonna assoluta Renata Scotto, hier die Sopranistin Angel Blue und die Mezzosopranistin Valerie Eickhoff. Es ist eine ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Die Wissenschaft tappt im Dunkel. Wobei es sich hier nicht etwa um Phänomene der Quantenphysik handelt, sondern um Musikologie und konkret um eine Oper des Barock, um «L’Ercole amante» von Antonia Bembo (geboren um 1640 in Venedig, gestorben etwa 1720 in Paris). Das Stück beschreibt eine Episode aus dem Leben des Herkules und war Louis XIV., dem gottgleichen König,...
Lassen wir das Reizwort «Musical» einmal beiseite. Ja, es stimmt: Matthias Davids ist ein Fachmann für dieses Genre, und er leitet das dafür zuständige Ensemble am Landestheater Linz. Dass er für eine Inszenierung der «Meistersinger» nach Bayreuth eingeladen wurde, hat deshalb für Verwunderung, auch für Argwohn gesorgt. Doch lässt sich der Abend, der letztlich...
Christian Thielemann, der alte Strauss-Hase, wurde im Vorfeld der Berliner Premiere nicht müde zu betonen, wie schwierig die «Schweigsame Frau» sei. Ins Haarsträubende hat Strauss die Anforderungen an Orchestermusiker wie an die Sängerinnen und Sänger hier gesteigert. Rasende Geschwindigkeit, rhythmische Vertracktheit, blitzschnelle Farbwechsel: Für die Musiker im...
