Tenorissimo! Bravissimo?

Liparit Avetisyan und Kévin Amiel setzen in ihren Solo-Alben absichtsvoll auf die Klassiker

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Alfredo, Duca, Rodolfo, die typischen Hits eben. Traditioneller, konventioneller, abgegriffener geht es kaum, möchte man meinen. Wobei die Tenöre Liparit Avetisyan und Kévin Amiel wenigstens ehrlich sind. Während sich mancher Kollege umständlich bis krampfig in Randbereichen des Repertoires tummelt, um bei Experten und Nerds Aufmerksamkeit zu erregen, setzen die beiden ungeniert auf Klassiker. Und haben dabei ein Argument auf ihrer Seite: Das breite Publikum dürfte dies goutieren, CD-Visitenkarten müssen sich schließlich verkaufen.

Außerdem sind Schlagerparaden, die zum Vergleich mit Vorgängern einladen, riskanter.

Der Armenier Livarit Avetisyan, Jahrgang 1990, und der Franzose Kévin Amiel, Jahrgang 1989, haben sogar noch etwas gemeinsam, es ist der vokale Zuschnitt. Das helle Timbre, die schmale Dimension, die Kopfstimmenresonanz, all dies tönt eher nach Rossini als nach Schwergewichtigerem. Entscheidend ist, wie man damit Verdi oder Puccini zu sich heranholt. Man höre nur Avetisyan bei Alfredos «De’miei bollenti spiriti». Zärtlich, fast intim, im Wortsinn zart besaitet singt er die Arie, mit Delikatesse und klug verblendeten Registern. Eine Innenschau, kein Übermut. Kollege ...

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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 64
von Markus Thiel

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