Von damals auf heute

Das Djagilew-Festival in Perm besticht diesmal insbesondere durch seine kleineren Formate

Opernwelt - Logo

Sagen wir es rundheraus: In diesem Jahr strahlen die Hauptveranstaltungen des Festivals keinen Glanz aus, weder von innen noch von außen. Das Gedenkkonzert «Hændel», bestehend aus Arien und Chören des Barockmeisters, zeigte zwar die Schönheit und Eleganz seiner Musik, nicht aber die Tiefe der Affekte oder sogar die Unendlichkeit des Leidens. Teodor Currentzis führte die jungen Solistinnen und den musicAeterna-Chor sicher durch die Kaskaden an Koloraturen und diversen Höhen-Ekstasen, doch er erschütterte das Publikum nicht durch die Wucht eines tieferen Empfindens.

Camille Saint-Saëns «Samson und Dalila» geriet unter der musikalischen Leitung von Wladimir Tkatschenko eher zu einem Oratorium als zu einer Oper – abgesehen davon, dass Boris Rudak den tragischen Monolog des Helden im dritten Akt wahrhaft glanzvoll sang. Eine große Enttäuschung war die Premiere von Brecht/Weills «Dreigroschenoper»: Regisseurin Nina Worobjowa trennte Gesang und Schauspiel, die Darstellerinnen und Darsteller agierten plump bis albern, und Dirigent Ilja Gaissin zeigte nicht einmal ein minimales Verständnis für die stilistischen Besonderheiten der Partitur. Umso beeindruckender war das Niveau bei den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Alexej Parin

Weitere Beiträge
Eine faszinierend fremde Frau

Dvořáks «Rusalka» ist ein heikles Werk, dessen Präsenz auf den Spielplänen wellenartigen Konjunkturen zu folgen scheint. Die letzte große Welle spülte vor 17 Jahren unterschiedlichste Fragestellungen an das Werk und Möglichkeiten seiner Deutung hoch: 2008 versuchte sich das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito in Salzburg an einem Balanceakt zwischen moderater...

Untadelig

Io moro!», seufzt Sara – und sinkt mit einer lakonischen Orchesterkadenz ohnmächtig zu Boden. Man kann sie verstehen: In Metastasios oft vertontem Oratorienlibretto bleibt der Erzmutter des Volkes Israel wirklich nichts erspart. Und in dieser Produktion des «Isacco» der Komponistin Marianna Martines (1744–1812) noch weniger.

Die Genesis lässt es offen, aber...

Virtuosität und Esprit

In den vergangenen Jahrzehnten haben zahlreiche Werke Rameaus für das Musiktheater ihre Wirksamkeit auch auf modernen Bühnen erwiesen. Die 1745 in Versailles urauf -geführte Opéra-ballet bouffon «Platée» ist unter ihnen das wohl beliebteste und am häufigsten aufgeführte. Die Geschichte der hässlichen Sumpfnymphe, die sich einbildet, so attraktiv zu sein, dass sich...