Von damals auf heute
Sagen wir es rundheraus: In diesem Jahr strahlen die Hauptveranstaltungen des Festivals keinen Glanz aus, weder von innen noch von außen. Das Gedenkkonzert «Hændel», bestehend aus Arien und Chören des Barockmeisters, zeigte zwar die Schönheit und Eleganz seiner Musik, nicht aber die Tiefe der Affekte oder sogar die Unendlichkeit des Leidens. Teodor Currentzis führte die jungen Solistinnen und den musicAeterna-Chor sicher durch die Kaskaden an Koloraturen und diversen Höhen-Ekstasen, doch er erschütterte das Publikum nicht durch die Wucht eines tieferen Empfindens.
Camille Saint-Saëns «Samson und Dalila» geriet unter der musikalischen Leitung von Wladimir Tkatschenko eher zu einem Oratorium als zu einer Oper – abgesehen davon, dass Boris Rudak den tragischen Monolog des Helden im dritten Akt wahrhaft glanzvoll sang. Eine große Enttäuschung war die Premiere von Brecht/Weills «Dreigroschenoper»: Regisseurin Nina Worobjowa trennte Gesang und Schauspiel, die Darstellerinnen und Darsteller agierten plump bis albern, und Dirigent Ilja Gaissin zeigte nicht einmal ein minimales Verständnis für die stilistischen Besonderheiten der Partitur. Umso beeindruckender war das Niveau bei den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2025
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Alexej Parin
Io moro!», seufzt Sara – und sinkt mit einer lakonischen Orchesterkadenz ohnmächtig zu Boden. Man kann sie verstehen: In Metastasios oft vertontem Oratorienlibretto bleibt der Erzmutter des Volkes Israel wirklich nichts erspart. Und in dieser Produktion des «Isacco» der Komponistin Marianna Martines (1744–1812) noch weniger.
Die Genesis lässt es offen, aber...
SRNKA: VOICE KILLER Musiktheater an der Wien
Edward J. Leonski war nicht zwingend das, was man einen schlechten Menschen nennt. Er hatte sich und seine Emotionen nur nicht im Griff. Während des Zweiten Weltkriegs war der Sohn russisch-polnischer Einwanderer, wie Tausende weitere junge US-amerikanische Soldaten, als GI in Melbourne stationiert, und sie alle...
Sie war eine Göttin schon ihrem Vornamen nach. Doch nicht deswegen betörte Célestine Galli-Marié eine ganze Generation von Opern-Aficionados in der Zauberstadt Paris. Es war ihre Stimme, ihr Spiel, die das Publikum magnetisch anzog und einige der besten Komponisten des Landes dazu anregte, Bühnenwerke zu komponieren, die der französischen Sopranistin auf den Leib,...
