Eine faszinierend fremde Frau
Dvořáks «Rusalka» ist ein heikles Werk, dessen Präsenz auf den Spielplänen wellenartigen Konjunkturen zu folgen scheint. Die letzte große Welle spülte vor 17 Jahren unterschiedlichste Fragestellungen an das Werk und Möglichkeiten seiner Deutung hoch: 2008 versuchte sich das Regieduo Jossi Wieler und Sergio Morabito in Salzburg an einem Balanceakt zwischen moderater Aktualisierung und Psychoanalyse, streute surreal Märchenhaftes ein und bereicherte Dvořáks Naturromantik sogar mit zarter Ironie.
Im gleichen Jahr zeigte Stefan Herheim in Brüssel eine surreale, magisch aufgeladene, vom direkten Umfeld der Monnaie-Oper inspirierte Welt, die weit mehr auf die düsteren Dramen des Symbolismus verwies als auf die romantische Naturoper, mit Blumenladen und Sexshop, Metro-Eingang und Satellitenschüsseln anstelle des von Rusalka besungenen Mondes. Und parallel zu Herheims virtuoser Zauberkasten-Inszenierung hob sich in Düsseldorf der Vorhang zu einer Neuproduktion, die im Vorfeld «Werktreue» versprochen hatte. Ein tschechisches Leitungsteam versuchte noch einmal ein Rollback in Zeiten, als «Rusalka» noch als verträumt auszustattende Märchenoper verstanden wurde. Der Versuch misslang gründlich, ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Regine Müller
Zum ersten Mal
Auftritt bei den Opernfestspielen von München: Susanna Mälkki dirigiert «Pénélope» von Gabriel Fauré. Es ist ein Abend der Premieren: Das Stück wird erstmals an der Bayerischen Staatsoper gezeigt, auch die finnische Dirigentin gibt ihr Debüt bei einer Neuproduktion. Die Inszenierung im Prinzregententheater übernimmt Andrea Breth. Wir fahren hin.
Aus...
Der Rhein ist in Grußweite. Ein paar hundert Meter weiter fließt die Mosel. Dazwischen das überdimensionierte Kaiser-Wilhelm-Denkmal am Deutschen Eck. Bei so viel malerischer Pracht geht das Theater Koblenz zwischen den herrschaftlichen Bauten irgendwie unter, eingepfercht zwischen prächtigen Fassaden – und erst recht, wenn das Gebäude, so wie jetzt, von mehreren...
Drei Schwestern: Undine, Rusalka, Melusine. Sämtlich entstammen sie der Märchenwelt und gelangen, um ihr Glück zu finden, zu den Menschen; sämtlich scheitern sie an dem, was Menschsein ausmacht. Zu unterschiedlich sind die Vorstellungen von der Liebe, vom Leben und davon, was Natur bedeutet. Das erkannte auch Yvan Goll, als er Anfang der 1920er-Jahre den...
