Untadelig
Io moro!», seufzt Sara – und sinkt mit einer lakonischen Orchesterkadenz ohnmächtig zu Boden. Man kann sie verstehen: In Metastasios oft vertontem Oratorienlibretto bleibt der Erzmutter des Volkes Israel wirklich nichts erspart. Und in dieser Produktion des «Isacco» der Komponistin Marianna Martines (1744–1812) noch weniger.
Die Genesis lässt es offen, aber Metastasio will auch die biblische Sara als ein dem Abraham ebenbürtiges Vorbild unverbrüchlicher Treue zu Gott und seinem Gebot präsentieren.
Deshalb bestärkt sie ihren Mann in der Entschlossenheit zur vermeintlichen Opferung des gemeinsamen, einzigen Sohnes Isaak – und vergießt zugleich bitterste Tränen beim Abschied vom nichtsahnenden Jüngling. Und nun auf einmal, wie Isaaks Freund Gamari schildert (der als Dialogpartner hinzugefügt ist), steigen Vater und Sohn vom Berg herab: Ist’s Wunschtraum oder Wahrheit? Und das Unsagbare nur aufgeschoben? Da kann eine Mutter schon weiche Knie bekommen – und alle menschlichen Sympathien wären auf ihrer Seite, hätte sie ihrem Mann für seine zum Mord bereite Spintisiererei von einem unsichtbaren Gott und seinen Forderungen gehörig den Kopf gewaschen. Dabei steht ihr die größte Prüfung noch ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Walter Weidringer
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