Vom Wegesrand

Neue Recitals von Simone Kermes, Christiane Karg, Roberta Invernizzi und Sandrine Piau

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Über den Inhalt des Buches, das die Dame mit der aufgetürmten Allongeperücke dem nackten jungen Mann zu lesen gibt, darf spekuliert werden. Noch kehrt der Jüngling ihr den Rücken zu, doch lässt das nächste Bild mit dem verrutschten Mieder der Dame allerlei vermuten. Bevor nun die Fantasie mit uns durchgeht, sei vermerkt, dass es sich um im Stile des barocken Manierismus arrangierte Fotos im Booklet des neuen Recitals «Dramma» von Simone Kermes handelt, mit der sächsischen Diva der Alten Musik als auch optisch attraktiver Protagonistin.



So dokumentiert bereits das Booklet dieses dem dramma per musica des italienischen Barock gewidmeten Albums die Lust der Kermes an der Verkleidung, am Spiel mit den Identitäten. Flucht vor dem eigenen Ich? Nein, eher Identifikation, die Suche nach dem Eigenen im Fremden. «Was die Kermes singt, das ist sie auch», schrieb ein Rezensent. Und: Man höre es brennen bei ihr. Die notorische «Jekyll-and-Hyde»-Attitüde der Leipzigerin scheint im Übrigen ideal für die Manierismen des Barock, die Concordia discors, die Vereinigung des Gegensätzlichen unter dem Diktat der Form.

Die «Derwisch-Diva» überrumpelt uns gleich zu Beginn in Ariannas Rachearie «Per ...

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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Medien, CDs und DVDs, Seite 44
von Gerhard Persché

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