N1-H1L, oder doch lieber 3T-3RN-4L?
Fast könnte man sagen, es ist ein Abend der Duette. Ausgerechnet dort, wo die Musik des «Fliegenden Holländer» beiläufig wirkt, weil sie mit der Tradition hantiert, sorgt Christian Thielemann für neue Hörperspektiven – in genauer Absprache mit seinen Solisten und einem bestens aufgelegten Festspielorchester. Nicht die von Wagner provokativ und nassforsch auskomponierte Meeresgischt zieht unsere Ohren diesmal an, sondern, eben, die Kunst der Duette. Wagner spannt da gern zusammen, was eigentlich gar nicht zusammen gehört.
Den buffonesken Raffzahn Daland etwa, der gerade seine Tochter verschachert, und den melancholisch und halbtonweise seine Melodie nach oben führenden Ahasver der Meere («Wie? Hört ich recht»/«Ach! ohne Weib, ohne Kind bin ich»). Beide singen – im Duett – völlig Verschiedenes, nähern sich allmählich einander an und zielen schließlich auf ein stählernes G-Dur, das wiederum sofort mediantisch umgebogen wird. Thielemann unterlegt Dalands Staccato-Stutzigkeit quasi mit einem gedachten Legato, modelliert die gleichzeitig klingende Holländer-Kantilene mit feinen Accelerandi. So entsteht Einheit aus Verschiedenartigkeit. Beim Duett zwischen Senta und Erik ist es ähnlich. ...
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Opernwelt September/Oktober 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch
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