Vom Geist beherrschte Magie
Wie gefährlich es sein kann, sich in Form einer Biografie einem lebenden Komponisten anzunähern, der selbst mit unzähligen Schriften sein Œuvre sowie die ihm zugrundeliegenden ästhetischen Imperative wort- und gedankenreich zu «erklären» wusste, hat zuletzt der Fall Wolfgang Rihm gezeigt.
Beide Versuche, ihm und seinem Schaffen gerecht zu werden, scheiterten, so ehrenwert sie anmuteten, letztlich doch relativ kläglich: zu gering war hier wie dort die Distanz zum bewunderten Gegenstand, zu flapsig (oder zu anmaßend) der Ton, zu groß die Lust am heiteren oder polemischen Fabulieren, an der Sottise.
Jörn Peter Hiekel wählt für sein Buch «Helmut Lachenmann und seine Zeit» einen anderen, klügeren Weg. Er versucht erst gar nicht, dem Komponisten auf die (biografische) Schliche zu kommen und sein Schaffen in eine Lebenserzählung einzubinden, sondern wirft seinen (hermeneutisch geschulten) Blick mit kleinen Ausnahmen auf das Werk selbst, auf seine ästhetischen, musikalischen, historischen Bezüge und Kontexte. Zwar macht Hiekel aus seiner Begeisterung für Lachenmanns Kompositionen dabei keinen Hehl. Doch er begründet sie rein fachlich, mit der gebotenen Distanz des Musikologen, der ein ...
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Opernwelt Mai 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 39
von Jürgen Otten
Über den Köpfen des Publikums fliegen die Fetzen, man sitzt mitten im Kreuzfeuer verfeindeter ästhetischer Positionen. Regisseur Guillermo Amaya hat die gegnerischen Lager in seiner Heidelberger Inszenierung auf den Treppen des Zuschauerraumes und an der Bühnenrampe postiert. Komische, Tragische, Lyrische und Hohlköpfe liefern sich einen furiosen Schlagabtausch. In...
Diese «Tristan und Isolde»–Produktion besitzt unbestreitbare musikalische Qualitäten. Samuel Sakker, der kürzlich an der Seite von Dorothea Röschmann in Nancy als Tristan debütierte, hat seither noch an Souveränität gewonnen. Vor allem der dritte Aufzug mit den sehnenden Fieberfantasien geriet ihm jetzt mustergültig – von der Wortverständlichkeit über die mühelosen...
Das Stück ist kein Repertoirerenner geworden, wie man ihn eigentlich von Pé-ter Eötvös hätte erwarten können. Immerhin haben sich seine «Tri Sestry» bis heute als Dauerbrenner erwiesen, während die kurz danach entstandenen «Angels» in den knapp zwei Jahrzehnten seit ihrer Pariser Uraufführung ein von den Theatern nur wenig beachtetes Dasein fristen. Möglicherweise,...
