Vom Bettler zum König

Wieder ein starker Jahrgang der Rossini-Pflege in Bad Wildbad: Bei «La Cenerentola», «Otello» und «L’inganno felice» treten arrivierte Sängerinnen und Sänger sowie der talentierte Nachwuchs auf

Opernwelt - Logo

Die Handlung des «Aschenputtel»-Märchens ist hinlänglich bekannt, doch die Wendung, die der Komponist Gioacchino Rossini ihr verleiht, ist interessant: Er fügt die Figur des Alidoro ein, von dem man nicht so genau weiß, ob er «nur» ein philosophierender Lehrer und Erzieher des jugendlichen Prinzen Don Ramiro ist oder ob mehr dahintersteckt. Jochen Schönleber, Intendant des Rossini-Festivals im beschaulichen Kurort Bad Wildbad, wertet in seiner Inszenierung der «Cenerentola» diesen Alidoro auf.

Bereits in der szenisch bebilderten Ouvertüre ist er als Bettler zu sehen, der auf die gütige weibliche Hauptfigur trifft und somit die Freundlichkeit und Menschlichkeit dieser «Cenerentola» genannten Angelina am eigenen Leib erlebt. Im Verlauf der Handlung tritt er dann immer wieder als Strippenzieher in Erscheinung, lenkt die Ereignisse und wird am Ende zwar überraschend, aber auch verständ -licherweise auf den Thron gesetzt. Da drückt sich auch die übergroße Dankbarkeit Angelinas aus, wenn sie diesem Alidoro derart die Ehre erweist. Zum Erfolgsrezept des Rossini-Festivals im nördlichen Schwarzwald gehört es, dass man in jedem Jahr ein populäres Hauptwerk auf die Bühne bringt, wobei die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 40
von Markus Dippold

Weitere Beiträge
Élan vital mit Ecken

Würde man ein Bild finden müssen, das seine Musik einigermaßen präzise zu beschreiben vermag, so wäre es das eines Komponisten, der zwischen den Stühlen steht, sprich: zwischen zwei ästhetischen Narrativen. Verwundern darf dies nicht angesichts der Tatsache, dass Arthur Honegger als Kind von Schweizer Eltern geboren wurde, allerdings in der rauen normannischen...

«Das Theater soll den Menschen dienen»

Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich...

Dem Zeitkern auf der Spur

Ein tätiges Leben, verstanden im Sinne von Hannah Arendts Idee einer «vita activa» (so der Herausgeber Günther Heeg), wird besichtigt; in Augenschein genommen von demjenigen, der es durchmessen hat. Zu seinem 85. Geburtstag hat sich Klaus Zehelein, einer der wirkmächtigsten und einflussreichsten bundesdeutschen Dramaturgen, Musiktheatermacher und Kunst-Ermöglicher,...