Élan vital mit Ecken
Würde man ein Bild finden müssen, das seine Musik einigermaßen präzise zu beschreiben vermag, so wäre es das eines Komponisten, der zwischen den Stühlen steht, sprich: zwischen zwei ästhetischen Narrativen. Verwundern darf dies nicht angesichts der Tatsache, dass Arthur Honegger als Kind von Schweizer Eltern geboren wurde, allerdings in der rauen normannischen Hafenstadt Le Havre. In vielen seiner Werke schlägt sich diese Ambivalenz nieder. Mag der Stil kantig sein, so besitzt er doch zugleich einen typisch französischen Duft, dazu einen élan vital.
Ein Außenseiter ist Honegger gleichwohl immer geblieben; viele seiner Werke sind nur einem kleinen Kreis geläufig.
Dazu zählen auch Lieder, die man auf zwei Perioden aufteilen kann. Die eine umfasst den Zeitraum zwischen 1914 und 1924, die andere setzt rund zwanzig Jahre danach ein. Kaum hatte der Erste Weltkrieg begonnen, komponierte Honegger die «Quatre poems» auf Verse vier unterschiedlicher Dichter (wobei das zweite Stück «Petite Chapelle» dem vorliegenden Album zugleich seinen Titel gegeben hat). Der Einfluss Debussys ist deutlich spürbar, zumal die beiden Interpretinnen dessen impressionistische Seite hervorheben: Eleni Lydia ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 66
von Virginie Germstein
Ein tätiges Leben, verstanden im Sinne von Hannah Arendts Idee einer «vita activa» (so der Herausgeber Günther Heeg), wird besichtigt; in Augenschein genommen von demjenigen, der es durchmessen hat. Zu seinem 85. Geburtstag hat sich Klaus Zehelein, einer der wirkmächtigsten und einflussreichsten bundesdeutschen Dramaturgen, Musiktheatermacher und Kunst-Ermöglicher,...
Die beiden Herren, um es mal sehr vorsichtig zu sagen, mochten einander nicht. Zu unterschiedlich waren die Naturelle von Johannes Brahms und Hugo Wolf, wobei wohl niemandem entgehen konnte, dass dem Älteren von ihnen bei aller Melancholie zugleich eine hedonistische Lebenszugewandtheit eignete, während der Jüngere schon recht früh von einer Lebensmüdigkeit...
Wer sich mit Wagner auskennt, fürchtet sich nicht vor riesigen, ja, größenwahnsinnigen Projekten und weiß zudem, was die künstlerische Vision eines Einzelnen bewegen kann. Es war 2009, als der polnische Bassbariton Tomasz Konieczny bei einer konzertanten «Rheingold»- Aufführung in der Rolle des Alberich erstmals Aura und Akustik der damals szenisch noch...
