«Das Theater soll den Menschen dienen»
Sie singen und spielen im «Hotel Metamorphosis», dem Vivaldi-Pasticcio der Salzburger Festspiele, mit großem Aplomb Juno und Minerva. Macht es Spaß, Diva zu sein?
Natürlich! Ich fand es aber anfangs ungewöhnlich, so dominant zu sein. In einer Szene muss ich mit Cecilia Bartoli quasi singend kämpfen. Ich liebe und verehre sie, sie ist meine große Inspiration. Ich lernte Cecilia in Zürich kennen, als sie «L’italiana in Algeri» sang und ich ihr Cover war. Ich übernahm zwei der sieben Vorstellungen.
Sie war sehr nett, hat mich zu sich nach Hause eingeladen, gab mir kleine Tipps. Und nun durfte ich ihr plötzlich auf der Bühne ebenbürtig sein. Daran musste ich mich gewöhnen. Aber sie ist unglaublich kollegial. Es war ohnehin eine Herausforderung. Ich bin erst zwei Wochen nach Probenstart eingesprungen. Ich bekam die Anfrage, bat um die Noten und meinte zunächst: Ich habe zu wenig Zeit, es zu lernen. Daraufhin rief Regisseur Barrie Kosky an und redete lange mit mir. Eigentlich so, als ob ich schon längst zugesagt hätte. Es ist unmöglich, zu einem Regisseur wie Barrie nein zu sagen. Man kann sich ihm eben nicht entziehen. Die Festspiele waren so nett und haben mir einen phantastischen ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Interview, Seite 70
von Markus Thiel
Singen hilft immer. Auch in den schwersten Momenten unseres Lebens, wenn der oder die Liebste für immer dahingegangen ist. «O let me weep, for ever weep» – so lautet die erste Zeile jener Gedichtvertonung, die in einer posthumen Aufführung von Henry Purcells Masque »The Fairy Queen» auf Shakespeares somnambule Komödie «A Midsummer Night’s Dream» anno 1698 im...
In den Rang eines Sympathieträgers hat es der Dirigent Karl Böhm nie geschafft. Achtung, Interesse, Furcht: ja, Liebe: kaum. Böhm hat mit seiner Person viel dazu beigetragen, begonnen beim bereitwilligen Mitläufertum während der Nazi-Zeit (ein Wort des Bedauerns hat er dazu nie gefunden), bis hin zu seinem Ruf als Probenteufel. Kameramitschnitte von Proben Karl...
Alfredo, Duca, Rodolfo, die typischen Hits eben. Traditioneller, konventioneller, abgegriffener geht es kaum, möchte man meinen. Wobei die Tenöre Liparit Avetisyan und Kévin Amiel wenigstens ehrlich sind. Während sich mancher Kollege umständlich bis krampfig in Randbereichen des Repertoires tummelt, um bei Experten und Nerds Aufmerksamkeit zu erregen, setzen die...
