Volltreffer
Das Theater Hagen überrascht immer wieder mit seinem Mut zu großen Brocken, die sowohl den bescheidenen Dimensionen des Hauses als auch seiner chronischen Unterfinanzierung trotzen. In allerbester Erinnerung ist etwa Jochen Biganzolis fulminante Inszenierung von Wagners «Tristan» zu Beginn der Ära des Intendanten Francis Hüsers.
Seit Beginn dieser Spielzeit bekleidet Søren Schuhmacher das Amt und wird dort ab August zusätzlich die Geschäftsführung übernehmen, um eine «zukunftsorientierte und effiziente Führungsstruktur» zu sichern (natürlich soll auch mit dieser Maßnahme gespart werden). Schuhmacher setzt unverdrossen die Tradition der Herausforderungen fort und hat zum Ende seiner ersten Saison Strauss’ «Salome» aufs Programm gesetzt. Und erneut wird der Mut belohnt – mit einer ebenso mitreißenden wie beklemmend intensiven Produktion. Bühnen- und Kostümbildnerin Bettina John hat ein Flugzeugwrack in ein dystopisches, schwarz grundiertes Niemandsland gewuchtet, durch das beständig Pyronebel wabern. Noch vor dem ersten Takt lässt Regisseurin Noa Naamat scharfe Böen aufheulen – ein Hinweis auf jenen Wind, von dem später Herodes immer wieder singen wird. In und um das Wrack herum ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Regine Müller
Les frères Jacques» der französischen Gelehrtenrepublik, Jacques Derrida (für die Philosophie) und Jacques Lacan (für die Psychoanalyse), betraten mit ihren geflügelten Sentenzen über das Phänomen des Weiblichen diffiziles Terrain. Derrida dekretierte leichthin und mit ironischem Unterton, die Frau gewähre die Idee, sei also so etwas wie ein personifiziertes...
Die österreichische Komponistin Olga Neuwirth, 1968 in der Steiermark geboren, verfolgt seit Langem und erklärtermaßen die Absicht, dass es ihr, wenn sie die Kunstform Oper ansteuert, nicht darum zu tun ist, die bewährte «Synthese» der Künste zu realisieren, und auch nicht darum, irgendeine Form des Gesamtkunstwerks zu suchen; sie strebte immer schon zu etwas...
Ein Fall für die Theaterwissenschaft: die Rückkehr des Pasticcios auf die Opernbühnen unserer Tage. Musiktheater nicht als musikalisch kohärentes Ereignis, sondern eben, wie der Name schon sagt, als Stückwerk, als Arrangement von Arien, Ensembleszenen, Instrumentalstücken.
In Thom Luz’ neuem Opern-Pasticcio ist es der Mythos, dem sich alles unterzuordnen hat:...
