Volltreffer
Das Theater Hagen überrascht immer wieder mit seinem Mut zu großen Brocken, die sowohl den bescheidenen Dimensionen des Hauses als auch seiner chronischen Unterfinanzierung trotzen. In allerbester Erinnerung ist etwa Jochen Biganzolis fulminante Inszenierung von Wagners «Tristan» zu Beginn der Ära des Intendanten Francis Hüsers.
Seit Beginn dieser Spielzeit bekleidet Søren Schuhmacher das Amt und wird dort ab August zusätzlich die Geschäftsführung übernehmen, um eine «zukunftsorientierte und effiziente Führungsstruktur» zu sichern (natürlich soll auch mit dieser Maßnahme gespart werden). Schuhmacher setzt unverdrossen die Tradition der Herausforderungen fort und hat zum Ende seiner ersten Saison Strauss’ «Salome» aufs Programm gesetzt. Und erneut wird der Mut belohnt – mit einer ebenso mitreißenden wie beklemmend intensiven Produktion. Bühnen- und Kostümbildnerin Bettina John hat ein Flugzeugwrack in ein dystopisches, schwarz grundiertes Niemandsland gewuchtet, durch das beständig Pyronebel wabern. Noch vor dem ersten Takt lässt Regisseurin Noa Naamat scharfe Böen aufheulen – ein Hinweis auf jenen Wind, von dem später Herodes immer wieder singen wird. In und um das Wrack herum ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Regine Müller
Lullys «Bellerophon» von 1679, wo der Held die dreigestaltige Chimäre in einer spektakulären Flugaktion auf dem Wunderpferd Pegasus – ein Triumph der Bühnenmaschinerie – besiegt, hatte sich ein Jahr lang in Paris auf der Bühne gehalten und wurde auf königlichen Wunsch im Januar 1680 in dessen Residenz in Saint-Germain-en-Laye neu produziert, wenige Wochen vor der...
Immerhin diese Frage klärt die Regie: Was passiert eigentlich mit den Menschen im Umfeld der Hauptfigur? Mit denjenigen, die ständig auf Tuchfühlung sind mit der Kranken, manchmal auf Hautkontakt wie der unglückselige Alfredo. Letzterer, hohlwangig, blass und mit Augenringen, führt im letzten Bild vor: Er hat sich angesteckt. Andere auch. Aber eigentlich tut das...
Musik bewegt sich immer in der Zeit – selbst im Falle rigoroser Verweigerung muss sie irgendwann weiter, und wenn es in einem Jahr ist. Ein Gemälde ist offensichtlich das Gegenteil davon; alles, was darauf zu sehen ist, wurde hineingezwungen in einen ewigen Stillstand. Umso schneller, das hat eine ironische Seite, kann der Mensch, der es sich anschaut, weitereilen....
