Das Wesen des Glücks
Musik bewegt sich immer in der Zeit – selbst im Falle rigoroser Verweigerung muss sie irgendwann weiter, und wenn es in einem Jahr ist. Ein Gemälde ist offensichtlich das Gegenteil davon; alles, was darauf zu sehen ist, wurde hineingezwungen in einen ewigen Stillstand. Umso schneller, das hat eine ironische Seite, kann der Mensch, der es sich anschaut, weitereilen. Tests zufolge verharren Museums -besucherinnen und -besucher vor Bildern nicht selten bloß zehn Sekunden und zeigen sich im Anschluss dennoch ganz begeistert. So zügig ist eine Oper nicht zu haben.
Mit Stillstand und Bewegung und dem Verhältnis zwischen den Kunstgattungen spielt nun auch Markus Bothe in seiner so attraktiven wie durchdachten Inszenierung von Monteverdis «L’Orfeo». Es ist die Musik selbst, die den Abend lächelnd mit einem Fingerschnipsen startet. Seht her, was ich zu bieten habe, sagt ihr Lächeln. Und zu Recht. Denn jetzt setzen Jörg Halubek und sein Ensemble Il Gusto Barocco mit Finesse ein. Und damit auch einen «Alten Meister» in einem Museumssaal in Bewegung. Für einen der begabtesten Vertreter der Musik auf Erden, den Sänger Orfeo, kommt Leben in die reizende Schäferszene. Vor allem die Hübscheste ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Judith von Sternburg
Anders als in anderen Ländern Europas verbringt der aufrechte französische Opernfan selbst den Heiligen Abend gern im Opernhaus oder Konzertsaal. Ob allerdings auch Napoleon ein solcher Aficionado war, als er beschloss, am 24. Dezember 1800 der französischen Erstaufführung von Haydns «Schöpfung» (alias «La Création du monde») in der Pariser Oper beizuwohnen, darf...
Man muss sich schon große Mühe geben, um in Don Alfonso etwas anderes zu sehen als einen verdrucksten Frauenverächter. Aber warum sollte man überhaupt? Am Theater Heidelberg lässt Magdalena Fuchsberger ihn stattdessen einmal kräftig ausspucken, obwohl James Young eine so adrette weiße Perücke trägt und feinen schwarzen Zwirn. Da schau her, so einer ist das!
Die...
Ein Fall für die Theaterwissenschaft: die Rückkehr des Pasticcios auf die Opernbühnen unserer Tage. Musiktheater nicht als musikalisch kohärentes Ereignis, sondern eben, wie der Name schon sagt, als Stückwerk, als Arrangement von Arien, Ensembleszenen, Instrumentalstücken.
In Thom Luz’ neuem Opern-Pasticcio ist es der Mythos, dem sich alles unterzuordnen hat:...
