Feminismus light

Verdi: La traviata am Gärtnerplatztheater München

Opernwelt - Logo

Immerhin diese Frage klärt die Regie: Was passiert eigentlich mit den Menschen im Umfeld der Hauptfigur? Mit denjenigen, die ständig auf Tuchfühlung sind mit der Kranken, manchmal auf Hautkontakt wie der unglückselige Alfredo. Letzterer, hohlwangig, blass und mit Augenringen, führt im letzten Bild vor: Er hat sich angesteckt. Andere auch. Aber eigentlich tut das gar nichts zur Sache. Es ist nur ein Detail in der Inszenierung von Isabel Ostermann.

Ein paar andere, ungewöhnliche gibt es auch noch in dieser «La traviata» fürs Münchner Gärtnerplatztheater, die kleine Widerhaken sein wollen im Traditionalismus.

Denn eigentlich inszeniert Isabel Ostermann vom Blatt, will sich das aber nicht zur Gänze eingestehen – und sich davon distanzieren. Man soll also schmunzeln über ausgestopfte Rehe als Pseudo-Idyll im Hintergrund. Oder über Alfredo, der in Akt zwei seine Arie unterm extra eingerichteten Scheinwerfer singt, ein demonstrativer Moment dieses Gigolos. Und man soll etwa lächelnd die Photographen registrieren, die das Paar umtänzeln, als ob der Gag nicht schon vor 20 Jahren Staub angesetzt hätte – ebenso wie die Disco-Kugel zum Brindisi. Manchmal kommt es auch in den stilisiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 63
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Ihr Sehnen, sein Wähnen

Les frères Jacques» der französischen Gelehrtenrepublik, Jacques Derrida (für die Philosophie) und Jacques Lacan (für die Psychoanalyse), betraten mit ihren geflügelten Sentenzen über das Phänomen des Weiblichen diffiziles Terrain. Derrida dekretierte leichthin und mit ironischem Unterton, die Frau gewähre die Idee, sei also so etwas wie ein personifiziertes...

Zeit des Aufbruchs

Ein kompakter Quader mit großen gläsernen Fensterfronten, daneben ein gedrungener Ziegelbau, an dem sich eine wacklig wirkende Feuertreppe herabschlängelt – so könnten auch ein in die Jahre gekommenes Schwimmbad oder ein Einwohnermeldeamt aussehen. Höchstens das rot getünchte Stück Weg, das über den zementierten Vorplatz zum Haupteingang führt und mit ausreichend...

Connaisseur der alten Schule

Spätestens kurz nach Pfingsten musste man sich sorgen. Die F.A.Z.-Rezension über die Premiere von Rossinis «Il viaggio a Reims» bei den Salzburger Festspielen stammte nicht, wie gewohnt, aus der Feder von Jürgen Kesting, für den die Stadt an der Salzach so etwas wie eine zweite musikalische Heimat geworden war. Seit fast 30 Jahren berichtete Kesting regelmäßig von...