Vollkommen natürlich

Zwei Guglielmos, einer bei den Salzburger Festspielen, einer in einer Münchner Wiederaufnahme. Und dann noch in Corona-bedingt verschiedenen Versionen – andere könnten da ganz schön durcheinander kommen. Andrè Schuen nicht. Der 36-Jährige stammt aus dem ladinischen Dorf La Val in Südtirol und wuchs dreisprachig auf. Schuen spielte Cello, bevor er seine Gesangskarriere startete, in der das Lied eine starke Säule ist

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Herr Schuen, zwei «Così»-Strichfassungen: Fühlt man sich da nicht schizophren?
Ein bisschen schon. Ich bekam die Münchner Fassung ein paar Wochen im Voraus, als ich noch in Salzburg beschäftigt war. Und ich schaute erst gar nicht rein, um mich nicht zu verwirren. Als ich dann drei, vier Tage Zeit hatte, konnte ich diese Version lernen. Ich hatte das Glück, dass in meiner allerersten «Così» vor acht Jahren wirklich alles gesungen wurde inklusive der ungekürzten Rezitative. Insofern ist mir das gesamte Stück präsent.

Aber man muss schon aufpassen – vor allem, weil es in München nicht wirklich viele Wiederaufnahme-Proben gab.

Wie war das, als Salzburg für die Festspiele und für die Mozart-Produktion grünes Licht gab? Eine Befreiung? Oder schwangen doch Angst und Bedenken mit?
Ich bin nach Salzburg gefahren und habe mich total gefreut – allerdings im Glauben, dass die Chancen 50:50 stehen. Anfangs war das doch eine Zeit, in der vieles extrem unsicher war. Dass es schlussendlich so gut lief, war natürlich fantastisch. Corona nehme ich schon ernst, aber vor dem Virus habe ich persönlich überhaupt keine Angst.

Es wurde dann eine sehr körperliche Inszenierung. Wie ist das, wenn man allen ...

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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Interview, Seite 28
von Markus Thiel

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