Durchaus originell

Alessandro Melanis «L’empio punito» erstmals auf CD

Opernwelt - Logo

Don Juans musikalische Bühnenkarriere begann bereits 100 Jahre vor Mozart mit der 1669 im Privattheater der Adelsfamilie Colonna uraufgeführten Oper «L’empio punito» («Der bestrafte Gottlose») von Alessandro Melani (1639–1703), der seit 1667 als Kirchenkomponist in Rom wirkte. Mit ihrer deftigen Komik und expliziten Erotik ist Melanis Dramma per musica noch deutlich der frühen venezianischen Oper verpflichtet, die burlesk zugespitzte Handlung mit insgesamt 17 Personen bei gleichzeitiger Namensänderung ins antike Griechenland verlegt.

Der Hörer muss umdenken – umso mehr, als das Booklet weder eine Übersetzung des Librettos noch eine Inhaltsangabe enthält und die magere Einführung eher verwirrt als informiert. Don Giovanni heißt hier Acrimante, ist eine mit einem Altus besetzte Kastratenpartie und steigt ebenso zynisch den Frauen nach wie sein sich des weiblichen Personals bedienender Adlatus Bibi. Am Ende verfrachtet ihn die Statue des getöteten Tidemo in die Hölle und er besteigt freiwillig Charons Nachen, während die drei zurückgebliebenen Paare heiraten. «Così punisce il ciel, chi il cielo offende!» («So bestraft der Himmel die, die ihn herausfordern!») lautet die finale Sentenz.

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Freiheit über alles lieben

Es ist eine Fotografie mit hohem Symbolwert: Bonn, der Münsterplatz, 1945. Wohin das Auge schaut, Schutt und Asche. Lediglich zur Linken sieht man ein Gebäude, das von den Bomben verschont blieb. Und in der Mitte eine Statue, wie durch ein Wunder (oder durch höhere göttliche Eingebung?) unberührt, einsam, aber mächtig, in klassischem Faltenwurf. Das...

Avantgarde von gestern

An Olivier Messiaen kann man sich reiben – bis heute. Die von ihm nach dem Zweiten Weltkrieg vorangetriebene Schärfung des Denkens in Reihen hat die Serialität zum Herzstück der musikalischen Avantgarde Westeuropas werden lassen. Seine Neigung zu komplexen Rhythmen und aperiodischen Verläufen, zu denen er sich durch die Erkundung der Vogelgesänge inspirieren ließ,...

Fröhlich-anarchistisch

Erzählt wird eine Geschichte von nachgerade biblischer Archaik: Beim Ansturm der Tataren, wir schreiben das Jahr 1243, flehen die Bewohner der Stadt Kitesh zu Gott, er möge das Schicksal wenden und sie vor dem sicheren Tod bewahren. Der Höchste zeigt sich gnädig gestimmt und lässt die Stadt samt Einwohnerschaft kurzerhand im Erdboden versinken – alle sind gerettet!...