Schöne alte Welt
Seltsam, diese patinierte Eleganz. Diese Zuflucht in ein behaustes «Es war einmal», in eine fragile Idylle, auf die durchaus Schatten fallen, die aber doch glänzt wie das Licht biedermeierlicher Veduten. Das beginnt mit der Aufmachung, dem Weichzeichner-Porträt der Solistin auf dem Cover, Reminiszenz an die Foto-Medaillon-Kultur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Setzt sich fort in dem assoziativen Bedeutungshorizont, den der alles umgreifende Signalbegriff, zugleich Titel einer von Brahms inspirierten Miniatur des juvenilen Komponisten, aufruft: «Erinnerung» – Reise in ein verflogenes, verlorenes Gestern, das wohl einmal Heimat war. Und spricht aus beinahe jedem fein gesetzten Ton, jeder kultiviert geformten Legato-Phrase der 19 Lieder, die Christiane Karg für ihre Mahler-Anthologie ausgewählt hat.
Aber lassen sich so die Ambivalenzen und Paradoxien einer Musik vermitteln, die sich – schon in den frühesten Gesängen (1881/82), erst recht in den über eine Spanne von 14 Jahren (bis 1901) entstandenen Adaptionen aus Brentanos und von Arnims Wunderhorn-Kosmos, schließlich in den Rückert-Liedern (1901/02) – tastend, stockend, mitunter sprunghaft auf schmalem Grat bewegt, ohne ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Albrecht Thiemann
In Wien gibt es eine Wels-Gasse, benannt ist sie nach Franz Wels, einem Pionier des Flugzeugbaus. Aber auch im Zusammenhang mit dem nämlichen Fisch ist sie an der Donau nicht ganz unbekannt, allerdings unter ihrem amerikanischen Namen Catfish Row, dem Schauplatz von George Gershwins «Porgy and Bess». Bereits im Jahr 1952 hatte, von Marcel Prawy arrangiert, ein...
An Olivier Messiaen kann man sich reiben – bis heute. Die von ihm nach dem Zweiten Weltkrieg vorangetriebene Schärfung des Denkens in Reihen hat die Serialität zum Herzstück der musikalischen Avantgarde Westeuropas werden lassen. Seine Neigung zu komplexen Rhythmen und aperiodischen Verläufen, zu denen er sich durch die Erkundung der Vogelgesänge inspirieren ließ,...
Herr Behle, gibt es schon Aufführungspläne?
Ich habe Heribert Germeshausen, den Dortmunder Intendanten, total zugequatscht. Zu den für mich interessanten Häusern zählt auch das Gärtnerplatztheater, mit Intendant Josef Köpplinger habe ich den «Evangelimann» an der Wiener Volksoper gemacht. Das Gasthaus aus diesem Stück hatte ich für meine Operette ständig im Kopf....
