Intelligent reflektiert
Man muss es nicht als Kitsch verdammen. Doch die Verfallenheit der japanischen Geisha Cio-Cio-San an den US-Amerikaner verdient die kritische Lesart. «Madama Butterfly» ist keine Beobachtung des Exotischen durchs Fernglas. Es gibt da auch die Sichtweise der tragischen Titelheldin, die der Komponist vollkommen verinnerlicht hat. Wer ist dann aber diese Frau eigentlich? Diese Frage steht im Zentrum der intelligenten Reflexion über Puccinis Oper am Nationaltheater Mannheim.
Die Konzeption des Videokünstlers Roland Horvath und der Regisseurin Maria-Magdalena Kwaschik richtet sich nicht mehr an den handelsüblich kolonialisierenden Fantasien aus. Der Reiz des Fremden liegt vielmehr in der changierenden geschlechtlichen Identität.
Wie sich die Raupe in den Schmetterling verwandelt, so findet in den Videoprojektionen die Metamorphose des Jungen in die Frau statt; in der Oper ist Cio-Cio-San gerade mal 15 Jahre alt. Mag Puccini dies noch im Sinn gehabt haben – Butterfly könnte, ins Heute gedacht, auch ein thailändischer Ladyboy sein und die sexuelle Obsession eines amerikanischen Touristen wie des ins 21. Jahrhundert versetzten B. F. Pinkerton gerade ihm gelten. Nur hoffen diese käuflichen ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Bernd Künzig
In Wien gibt es eine Wels-Gasse, benannt ist sie nach Franz Wels, einem Pionier des Flugzeugbaus. Aber auch im Zusammenhang mit dem nämlichen Fisch ist sie an der Donau nicht ganz unbekannt, allerdings unter ihrem amerikanischen Namen Catfish Row, dem Schauplatz von George Gershwins «Porgy and Bess». Bereits im Jahr 1952 hatte, von Marcel Prawy arrangiert, ein...
Es ist ein prachtvoller Bildband, den der Schott Verlag zu seinem 250. Geburtstag herausgebracht hat: eine Übersicht all der Erstausgaben, der Niederlassungen in aller Welt, vor allem aber der großen Komponisten, die man bei ihrer Arbeit begleitet und auch bezahlt hat, von Beethoven über Wagner bis Strawinsky, von Hans Werner Henze über György Ligeti bis Chaya...
Da hat Peter Carp sicher recht. Dass Herbert Fritsch an seinem Haus inszeniert, sei auch «ein bisschen ein Nebeneffekt von Corona». Vermutlich wäre der Schauspieler, der als Theaterregisseur eine grandiose Spätkarriere hingelegt hat, in guten Zeiten an größeren Häusern beschäftigt. Andererseits ist sein Regiedebüt am Theater Freiburg überfällig; schließlich war...
