Volksoper ohne Volk

Reznicek: Till Eulenspiegel HILDESHEIM | THEATER

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Es fängt gemächlich an. Dem Stück fehlt eine zündende Ouvertüre, wie sie Reznicek für seine «Donna Diana» – dank Angelo Neumanns Anregung – nachgeliefert hatte. Doch entschädigt der «Till Eulenspiegel» Ende des ersten Akts großzügig: Der durch Gezwitscher charakterisierte Spaßvogel resümiert sein Glaubensbekenntnis, indem er eine altertümliche Weise anstimmt, nämlich Melchior Francks Madrigal «Wiewohl ich arm und elend bin» von 1603.

Reznicek hat die betäubend schöne Melodie einschließlich aller Melismen nachgebildet, aber harmonisch angereichert und das Tempo beschleunigt. Der neue Text stammt, wie das gesamte Libretto, vom Komponisten. Als Vorlage diente Johann Fischarts «Eulenspiegel Reimensweiß» von 1572, also nicht De Costers berühmtes Epos, das Walter Braunfels für seinen «Ulenspiegel» nutzte. Allerdings übernimmt Reznicek von De Coster den historischen Kontext der Bauern- und Befreiungskriege.

Rezniceks fünftes Musikdrama wurde von Felix Mottl 1902 in Karlsruhe uraufgeführt und bald vergessen. Die Stimmen gingen verloren; ein Musiker des Hildesheimer Theaters hat sie mühsam rekonstruiert anhand einer Kopistenabschrift der Partitur, die extrem viele Striche und Korrekturen ...

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Opernwelt November 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Volker Tarnow

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