Im Himmel erlöst
Édouard Lalos «Le Roi d’Ys» gehört gemeinsam mit Ernest Reyers «Sigurd» (1884), Emmanuel Chabriers «Gwendoline» (1886), Vincent d’Indys «Fervaal» (1897) und Ernest Chaussons «Le Roi Arthus» (1903) zu den wichtigsten, im Banne des Wagnérisme stehenden Opern des französischen Fin de Siècle. Der bretonische Sagenstoff und seine (in Lalos Bearbeitung zwischen empfindsamer Lyrik und düsteren Untergangsvisionen changierende) Musik trafen den Nerv der Zeit.
Bis 1940 wurde das 1888 uraufgeführte Stück allein an der Pariser Opéra-Comique mehr als 500 Mal gegeben. Heute wird es selbst in Frankreich kaum mehr gespielt, diesseits des Rheins ist «Le Roi d’Ys» so gut wie unbekannt. Die bislang beste Studioaufnahme unter der Leitung von André Cluytens stammt aus dem Jahr 1957 – Grund genug für die Stiftung Palazzetto Bru Zane, Lalos Meisterwerk von György Vashegyi und dem Hungarian National Philharmonic Orchestra neu einspielen zu lassen. Als ausgewiesener Interpret und Kenner der französischen Barockoper ist Vashegyi eine verständliche Wahl: «Le Roi d’Ys» folgt dem Vorbild des Drame lyrique deutlicher, als man es von einem erklärten Wagnerianer erwarten würde.
Das Libretto, die Wahl des Stoffs, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2025
Rubrik: Medien, Seite 35
von Uwe Schweikert
Ein riesiger rosa Elefant stolziert vor unserem inneren Ohr durch die Oper von Oslo. Das Tier trägt den Namen «Richard Wagner». Das Geheimnis hinter der Erscheinung hat zunächst mit Antonín Dvořáks Märchenoper «Rusalka» zu tun, deren wunderbare Musik in sanft romantischem Glühen von der Sehnsucht spricht. Es hat aber auch mit dem Chefdirigenten des Hauses zu tun:...
Ein angenommenes Vergessen der Geschichte, so beschreibt es der Philosoph und Hermeneutiker Hans-Georg Gadamer, sei nicht ein Fehler des individuellen oder kollektiven Gedächtnisses, sondern gehöre vielmehr unmittelbar zum Prozess unseres Verstehens dazu. Erst das Spannungsfeld zwischen Vergessen und Erinnern ermögliche es uns, das eigene Denken in ein Verhältnis...
Drei Tage Dienstreise auf Staatsopernkosten nach Italien. Ortstermin in einem Florentiner Laden: weiße Seide mit darauf applizierten Rosen und eingewebten Goldfäden. Was das kostet? 2200 Mark, so erinnert sich Ausstattungslegende Jürgen Rose gern. Er durfte einkaufen gehen, damals, für seinen legendären Münchner «Rosenkavalier». Vorbei die Zeiten? Mitnichten....
