Vincenzo Benzini
«VB 1831 N», so lautet das Kennzeichen eines der vielen Autos, die uns Regisseur Christophe Coppens bei seiner Brüsseler Inszenierung von Vincenzo Bellinis «Norma» auf der Bühne präsentiert: die Initialen des Komponisten, das Entstehungsjahr der Oper und das ergänzende Norma-«N». Einer von mehreren lauen Gags. Dass es sich um ein Meisterwerk handelt: Das wird an diesem späten Nachmittag nicht deutlich. Man zweifelt. An sich, an der Musik, an allem. Auch an den Musikerinnen und Musikern, die einem ebenfalls leider wenig Freude bereiten.
Norma(l) ist das nicht!
Eigentlich ist Norma ja eine Druidin, der innerhalb ihres gallischen – mit den Römern verfeindeten – Volkes bestimmte Aufgaben, Verantwortlichkeiten obliegen. Diese Erwartungen enttäuscht sie, denn Norma hat (zunächst heimlich) zwei Kinder mit dem Römer Pollione und soll doch eigentlich «unberührt» bleiben. Pollione wendet sich Adalgisa zu, diese vertraut sich jedoch Norma an – und beide Frauen verbünden sich. Die charismatische Druidin erträgt die Gesamtsituation nicht mehr, bringt es bekanntlich aber auch nicht über ihr Herz, ihre Kinder zu töten. Der Rest der Handlung ist im Grunde in unseren Köpfen gespeichert. In Brüssel ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Arno Lücker
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen. In diesem Hause wohnte mein Schatz. Sie hat schon längst die Stadt verlassen. Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.» So heißt es – von Heinrich Heine getextet und von Franz Schubert düster, ostinativ und h-Moll-existenziell in Noten gesetzt – in dem «Schwanengesang»-Lied «Der Doppelgänger». Schon immer erinnerten...
Als «Schöpfer eines ganz neuen Geschmacks» hat Christian Friedrich Daniel Schubart den von 1754 bis 1769 als Kapellmeister am württembergischen Hof wirkenden Niccolò Jommelli gerühmt. Was Schubart meinte, wird beim Hören der 1766 in Ludwigsburg uraufgeführten Oper «Il Vologeso» schnell deutlich. Der Stoff aus der antiken Geschichte samt seinem Happy End – der...
Mit rot verschmiertem Mund, wie ein trauriger Clown, beklagt Cleopatra ihr Schicksal. Eben noch hat Tolomeo die gefangene Schwester sadistisch erniedrigt, an der Leine geführt wie einen Hund (man erinnert sich an Pasolinis berüchtigten Schwanengesang «Salò»). Doch dann singt Louise Alder das «Piangerò la sorte mia» unglaublich berührend, mit engelsgleichem Ton. Es...
