Vincenzo Benzini
«VB 1831 N», so lautet das Kennzeichen eines der vielen Autos, die uns Regisseur Christophe Coppens bei seiner Brüsseler Inszenierung von Vincenzo Bellinis «Norma» auf der Bühne präsentiert: die Initialen des Komponisten, das Entstehungsjahr der Oper und das ergänzende Norma-«N». Einer von mehreren lauen Gags. Dass es sich um ein Meisterwerk handelt: Das wird an diesem späten Nachmittag nicht deutlich. Man zweifelt. An sich, an der Musik, an allem. Auch an den Musikerinnen und Musikern, die einem ebenfalls leider wenig Freude bereiten.
Norma(l) ist das nicht!
Eigentlich ist Norma ja eine Druidin, der innerhalb ihres gallischen – mit den Römern verfeindeten – Volkes bestimmte Aufgaben, Verantwortlichkeiten obliegen. Diese Erwartungen enttäuscht sie, denn Norma hat (zunächst heimlich) zwei Kinder mit dem Römer Pollione und soll doch eigentlich «unberührt» bleiben. Pollione wendet sich Adalgisa zu, diese vertraut sich jedoch Norma an – und beide Frauen verbünden sich. Die charismatische Druidin erträgt die Gesamtsituation nicht mehr, bringt es bekanntlich aber auch nicht über ihr Herz, ihre Kinder zu töten. Der Rest der Handlung ist im Grunde in unseren Köpfen gespeichert. In Brüssel ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Arno Lücker
Der Blick des Künstlers, obschon retrospektiv, war nachgerade prophetisch. Als sich Bruno Walter nach dem Zweiten Weltkrieg in der Autobiografie «Thema und Variationen» seines Lebens und Wirkens erinnerte, beschrieb er sehr präzise auch die Stimmung des Jahres 1920. «Ich kehrte nach München zurück, wo seit dem Kapp-Putsch vom März 1920, den ein Generalstreik zum...
Es ist angerichtet. Der Schaum gut verteilt über beide Wangen, das Messer gezückt, die Klinge gewetzt. Jetzt muss Sweeney Todd nur noch seines Amtes walten und einen gezielten (Schluss-)Strich ziehen, dann ist das Leben jenes Mannes, der seine Frau vergewaltigt (und damit in den Irrsinn getrieben) hat und nun kurz davor ist, sich auch die Tochter einzuverleiben,...
Am Ende war der Jubel groß. Wieder einmal hatte Frankfurts Intendant Bernd Loebe mit Mut zum Wagnis sein Publikum überwältigt. Und das mit einem Stück des hierzulande sträflich unterschätzten Nikolai Rimsky-Korsakow, das selbst die Kenner und Liebhaber dieses größten russischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts noch nie auf der Bühne sehen durften. An diesem...
