Verwickelt
Es muss ja gar nicht so schlimm kommen, das meint zumindest der Architekt. Aber jetzt ist die Zahl nun mal in der Welt. 235 Millionen Euro für die Theatersanierung, die Nachricht hat Augsburg in einen Schockzustand versetzt. Dabei gibt es noch so viel anderes, das den Haushalt belastet: die Renovierung der Schulen, die Dauerbaustelle Bahnhof; manches wurde sicherheitshalber gleich gar nicht in den Etat aufgenommen. Wie die Stadt das Komplett-Lifting des Theaters schultern soll, das dem Ensemble mittlerweile beim Spielen fast unter den Füßen wegbröckelt, das weiß keiner.
Man schielt Richtung München, wo die Verantwortlichen des Freistaats doch bitte ihre Beteiligung von 45 Prozent erhöhen mögen. «Wir arme Leut'», unter diesem Motto wird in der Fuggerstadt derzeit Mängelverwaltung betrieben – was könnte da besser passen als eine Neuinszenierung von Bergs «Wozzeck»?
Wobei: Wie eine jener typischen Deutungen, so schweißig und schwiemelig, so drastisch und abstoßend realistisch, sieht das Bühnengeschehen gar nicht aus. Hier eine Sitzgruppe, dort ein Schreibtisch, verschiedene Teppichteile – das, was Regisseur Ludger Engels und Ausstatter Ric Schachtebeck da erdacht haben, riecht weniger ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Markus Thiel
«Ein Krampf. Ein Schreck. Ein Händedruck.» Es ging um die Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals «Elektra», und der Kritiker Alfred Kerr dichtete Schlagzeilen.
Dabei reimte er freilich auf Druck Gluck. Doch die Musik des Ritters war ein Lüfterl im Vergleich zum Orkan, der noch kommen sollte: Richard Strauss funktionierte das Schauspiel, das im Zeichen der...
Spionage, Eifersucht, Rache – keine andere Oper kommt einem Thriller so nahe wie Umberto Giordanos «Fedora». Der erste Akt zeigt uns Fedora Romazov in Sankt Petersburg, während ihre große Liebe stirbt. Im zweiten Akt hat sie als Frau, die aus der Kälte kam, in Paris den Mörder ihres Verlobten aufgespürt. Aber wider Willen verliebt sie sich in diesen Loris, in...
Herr Shicoff, Sie galten als idealer Sänger für gebrochene, auch intellektuelle Charaktere. Hat Ihnen das gefallen?
Dem habe ich nie getraut. Ich wollte nie bewusst den Eindruck erwecken, ein intellektueller Sänger zu sein. Emotionale Sänger schätze ich eigentlich weit höher. Ich glaube, wann immer ich Erfolg hatte, geschah das, weil ich emotional mit meinen Rollen...
