Die Musik des Textes

René Jacobs und das Freiburger Barockorchester schreiben Erfolgsgeschichte(n): Im Sommer 2008 bekamen sie für gleich zwei Einspielungen die Edison Classical Music Awards, darunter Mozarts «Don Giovanni». Und mit Mozart geht es weiter – gerade wurden die Sinfonien Nr. 39 und 40 für Harmonia Mundi France eingespielt, danach setzte Jacobs beim gleichen Label seinen Mozart-Opernzyklus mit der Aufnahme von «Idomeneo» fort. Alexander Dick unterhielt sich mit dem Dirigenten über «seine» Aufführungspraxis von Mozart.

Opernwelt - Logo

Herr Jacobs, Sie haben sich vom Frühbarock in die Wiener Klassik vorgetastet. Bei den Mozart-Dirigenten alten Schlages, wie etwa Karl Böhm, war es eher umgekehrt, die kamen von Romantik und Spätromantik. Ist der Zugang zu Mozart also heute ein ganz anderer?
Bei mir hat es an erster Stelle damit zu tun, dass ich meine Karriere als Countertenor begonnen habe und schon von daher auf ältere Musik angewiesen war. Und dann kommt irgendwann die Lust, mit diesem Wissen über Barockmusik weiter in die Musikgeschichte vorzudringen.

2009 werde ich meine erste Rossini-Oper machen, das heißt, ich bin schon am Beginn des 19. Jahrhunderts angelangt. Aber das Interessante ist immer der Background. Auch bei Mozart war es der des Barock – er hat studiert auf der Basis des Lehrbuchs von Johann Joseph Fux. Für die Dirigenten, die von der anderen Seite kommen, ist es eigentlich schwieriger, auf den richtigen Mozart zu stoßen – die haben als Hintergrund Wagner...

Sie haben der Mozart-Aufführungspraxis heute neue Sichtweisen eröffnet. Vor allem was die Gestaltung der Arien und Rezitative anlangt. Stichwort: Tradition der Verzierungen.
Natürlich müssen Sänger erst einmal die Technik lernen. Aber dabei bleibt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Alexander Dick, René Jacobs

Vergriffen
Weitere Beiträge
Glanz und Elend der Operette

Ein Publikumsmagnet sollte die neue «Lustige Witwe» der Semperoper werden – und schaffte es am Ende nur auf einen Platz unter den Ärgernissen des Jahres in der Kritikerumfrage der «Opernwelt». Nur das MDR-Fernsehballett verhinderte am Abend des 21. Dezember 2007 ein Totalfiasko der Premiere, die zeitversetzt am gleichen Tag von arte übertragen wurde (siehe OW...

Barocker geht's nimmer

Am Abend des 21. Januar 2008 versetzten der Regisseur Benjamin Lazar und der Dirigent Vincent Dumestre die französische Opernszene in einhelligen Begeisterungstaumel. «Ein berauschendes Barockfest», schwärmte «Libération» über die neue Produktion an der Opéra Comique, «ein Spektakel, das man gesehen haben muss», kons­tatierte der «Figaro», und «Le Monde» pries das...

Wie im Flug

La femme plus fatale – nur mit einem solchen Superlativ kann man das packende Lulu-Porträt beschreiben, das Marlis Petersen in einer Neuproduktion an der Chicago Lyric Opera zeichnete. Oder anders ausgedrückt: Im Vergleich zu Petersens Lulu kommen einem die singenden Sirenen von Carmen bis Salome nur mehr wie harmlose Sexkätzchen vor. Als sei ihr Bergs von...