Verspielt
Also schön, spielen wir das Spiel vom Tod. Tun wir so, als ob die Musik zu ihrem Recht käme und der Verschwörerwille an sein Ziel: den Herrscher zu stürzen, wie auch immer es geschehe. Geben wir ihnen, wonach ihr Sinn begehrt, führen wir sie aufs Glatteis ihrer Wahrnehmung, legen wir, hämisch grinsend, ihre tiefsten Wünsche frei ...
Es ist die Perfidie in Vollendung, mit der Gustavo III.
, der heldisch-emphatisch, im Passaggio leicht krächzende Timothy Richards, und sein engster Vertrauter Oscar (sehr agil, darstellerisch etwas outriert: Cathrin Lange) das historisch verbürgte Ende des schwedischen Königs Gustav III. «inszenieren». Leblos liegt der Körper auf steinernem Sockel, die Totenmaske schon auf dem Gesicht. Oscar, der für Gustavo das ist, was Jago für Otello war, mimt Bestürzung, das Volk steht starr im Angesicht des schlimmen Bildes. Doch plötzlich regt sich erst eine Hand, schließlich der ganze Mann; wie frischgeboren springt er lachend vom Totenbett hinunter: War alles nur Spaß, es gibt viel zu tun, packen wir’s an, der Tod kann noch ein bisschen warten. Musik!
Nicht nur in diesem schwarzhumorigen Beginn, der von Jan Croonenbroeck und dem Staatsorchester Darmstadt ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Jürgen Otten
Er hat es geschafft, wieder einmal. In einem unmöglichen, halb verunglückten, krausen Kunstwerk den zeitlos gültigen Kern freizulegen. Zu jenen verborgenen Kräften vorzudringen, die von Anbeginn die menschliche Existenz befeuern – im Guten wie im Schlechten. Liebe und Hass, mit allen Zwischentönen – das ist das große, nie erledigte Thema, dem sich Christof Loy...
«Nicht mal ein Rapper aus der Bronx ist so zeitgenössisch wie Verdi», sagt Davide Livermore. Ein steiler, ein plakativer Vergleich, der am gesunden Urteilsvermögen des italienischen Regisseurs zweifeln ließe, wüsste man nicht, dass er sein Metier beherrscht. Das Konzept seiner aktuellen High-Tech-Inszenierung von Verdis neunter Oper «Attila» lässt an ein aus dem...
Herr Hasselhorn, mussten Sie bei der Aufnahme Ihrer «Dichterlieben» manchmal aufpassen, in welcher Vertonung Sie sich gerade befinden?
Man muss sich als Sänger bewusst machen, dass zwei verschiedene Vertonungen desselben Textes in ganz verschiedene Ausdrucksbereiche vorstoßen können. Zum Beispiel fordern dieselben Wörter manchmal andere Färbungen. Aber auch der...
