Verspätete Melodien
Kara Toprak, schwarze Erde, so heißt jenes ingeniöse Klavierstück des türkischen Pianisten und Komponisten Fazıl Say, mit dem er seit vielen Jahren das Publikum in aller Welt bannt und begeistert: eine Hommage an ein altes Volkslied aus seiner Heimat, das Nostalgie und Melancholie mit einem Hauch Hoffnung verbindet und den Spagat zwischen Klang und Geräusch schafft, der in der Neuen Musik nicht immer glückt.
«Schwarze Erde», so heißt nun auch das Album von Corinna Scheurle und Klara Hornig, das zwar nicht in die Türkei führt, aber in eines der benachbarten Länder Osteuropas – nach Ungarn, zu Belá Bartók und dem ersten seiner acht Volkslieder, das die Mezzosopranistin und die Pianistin an den Beginn ihrer Einspielung stellen: «Fekete föd». Schwarz die Erde.
Doch nicht trocken oder karstig. Ganz im Gegenteil. Warm und füllig, glühend und gerundet ist Scheurles Stimme, eine Mischung aus Carmen-Glut und octavianischem Verführungszauber, mithin überaus geeignet, um die Idiomatik nicht nur dieses Liedes aufzuspüren und zu vermitteln. Dabei profitiert die Sängerin von Hornigs erklecklichem Farbenreichtum: Ein saftig-sattes Arpeggio nach dem anderen zaubert die Pianistin auf die Tasten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 34
von Olga Myschkina
Sein «Zar und Zimmermann» ging seit 1837 über 30 deutsche Bühnen. Berauscht vom Erfolg, schrieb Lortzing den «Hans Sachs», der 1840 in Leipzig aus Anlass des 400-jährigen Jubiläums der Buchdruck-Erfindung uraufgeführt wurde. Seine Heimatstadt Berlin hätte sich für solch demagogischen Unfug nicht hergegeben und behandelte ihn ohnehin schäbig. Sachsen hingegen...
Puccinis «Madama Butterfly» in der bahnbrechenden Inszenierung des mittlerweile verstorbenen Anthony Minghella bildete 2006 den Auftakt der Amtszeit von Intendant Peter Gelb an der New Yorker Met. Angefangen mit Cristina Gallardo-Domâs als Cio-Cio-San hat sich die nach wie vor erfolgreichste Produktion des Hauses als wahre Primadonnen-Schmiede entpuppt und...
Alle Schwalben fliegen, wenn sie, wie der Volksmund sagt, weiterhin schönes Wetter versprechen, hoch. Diese nicht. «La rondine», so ihr originaler Name, schwirrt irgendwo in den tiefhängenden Wolken umher, ohne je den Weg zur Sonne gefunden zu haben. Die Musikgeschichte hat Giacomo Puccinis Commedia lirica auf eine Stufe mit seinen frühen (Fehl-)Versuchen gestellt,...
