Bla, bla, bla
Ein paar Zitate des Meisters aus Stratford kurven zu Beginn durchs Video. Wenn die Ouvertüre dann heißläuft, ist dort nur noch groß zu lesen: «Bla, bla, bla.» Keine an Shakespeare adressierte Blasphemie ist das, gemeint sind mutmaßlich Librettist Salomon Hermann Mosenthal und, als Mitschuldiger, der Komponist des Werks. «Die lustigen Weiber von Windsor», so sehr sie einst zum Spielopern-Repertoire gehörten, haben ja gleich mehrere Probleme; den übermächtigen «Falstaff», die stark startende, danach stark schwächelnde Dramaturgie, vor allem aber den überlangen Text.
Entstauben hilft nicht mehr, wie Brigitte Fassbaender vorführt, sondern nur noch eines: das Skalpell.
Ganze Seiten wurden für diese Premiere am Münchner Gärtnerplatztheater geopfert, auch einige Musikstrecken zerschnibbelt. Und was übrig blieb, wurde zusammen mit dem Dramaturgen Christoph Wagner-Trenkwitz sanft verheutigt. Nicht als aktualisierende Anbiederung, sondern mit kleinen, behutsamen Operationen, die auch schlimmste Machismen tilgten. Wer das Stück in dieser Version erstmals hört, glaubt glatt, es sei das Original.
Dass Nicolai und sein Textdichter aus Shakespeares Vorlage fast nur Karikaturen gewinnen konnten, ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Markus Thiel
Mit seinen mehr als 500 Liedern zählt Hanns Eisler zu den produktivsten und zugleich originellsten Vokalkomponisten des 20. Jahrhunderts. Ins allgemeine Bewusstsein gedrungen ist der abtrünnige Schönberg-Schüler und bekennende Marxist aber nur als musikalischer Mit -arbeiter Bertolt Brechts. Mit dem Sieg des realen Turbo-Kapitalismus über den Phantom-Sozialismus...
Ein Mann begegnet eines Tages jemandem, der genauso aussieht, wie er selbst – seinem Doppelgänger. Von Stund’ an wird der Titularrat Goljadkin im zaristischen Russland zum Objekt einer Bewusstseinsspaltung, die ihn schließlich in den Wahnsinn treibt. Soweit die Geschichte in Fjodor Dostojewskis Roman «Dvojnik» («Der Doppelgänger») von 1846. Eine Dystopie, schon...
Achill in Altenburg? Kaum zu glauben, aber wahr. Leibhaftig, in voller Rüstung steht er auf der Bühne des Theaterzelts am Ufer des Großen Teichs, und während draußen die Kinder auf dem Spielplatz toben und die Schwäne im See ihr Gefieder putzen, sieht sich der griechische Held vor eine unzumutbare Entscheidung gestellt: Ehre oder Liebe? Ruhm fürs Vaterland oder...
