Bla, bla, bla
Ein paar Zitate des Meisters aus Stratford kurven zu Beginn durchs Video. Wenn die Ouvertüre dann heißläuft, ist dort nur noch groß zu lesen: «Bla, bla, bla.» Keine an Shakespeare adressierte Blasphemie ist das, gemeint sind mutmaßlich Librettist Salomon Hermann Mosenthal und, als Mitschuldiger, der Komponist des Werks. «Die lustigen Weiber von Windsor», so sehr sie einst zum Spielopern-Repertoire gehörten, haben ja gleich mehrere Probleme; den übermächtigen «Falstaff», die stark startende, danach stark schwächelnde Dramaturgie, vor allem aber den überlangen Text.
Entstauben hilft nicht mehr, wie Brigitte Fassbaender vorführt, sondern nur noch eines: das Skalpell.
Ganze Seiten wurden für diese Premiere am Münchner Gärtnerplatztheater geopfert, auch einige Musikstrecken zerschnibbelt. Und was übrig blieb, wurde zusammen mit dem Dramaturgen Christoph Wagner-Trenkwitz sanft verheutigt. Nicht als aktualisierende Anbiederung, sondern mit kleinen, behutsamen Operationen, die auch schlimmste Machismen tilgten. Wer das Stück in dieser Version erstmals hört, glaubt glatt, es sei das Original.
Dass Nicolai und sein Textdichter aus Shakespeares Vorlage fast nur Karikaturen gewinnen konnten, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Markus Thiel
Eine gute Stunde Glück? Kein Problem. Man greife zu diesem Album, schiebe es in den CD-Player und lausche selige 66 Minuten, dann besteht kein Zweifel mehr: Das Glück ist nicht immer anderswo und ganz einfach zu erheischen. Jedenfalls dann, wenn eine Sängerin vom Format Sabine Devieilhes, die sich mit ihren gleichermaßen stilistisch distinguierten und dramatisch...
Achill in Altenburg? Kaum zu glauben, aber wahr. Leibhaftig, in voller Rüstung steht er auf der Bühne des Theaterzelts am Ufer des Großen Teichs, und während draußen die Kinder auf dem Spielplatz toben und die Schwäne im See ihr Gefieder putzen, sieht sich der griechische Held vor eine unzumutbare Entscheidung gestellt: Ehre oder Liebe? Ruhm fürs Vaterland oder...
Wie in Deutschland, so stand auch in Frankreich das Orchesterlied stets im Schatten des klavierbegleiteten Sololieds, der mélodie. Héctor Berlioz war der Erste, der 1856 die Orchesterversion seiner «Les nuits d’été» einer musikalischen Feinarbeit unterzog, die sich vom Operngesang mit seinen kräftigeren instrumentalen Pinselstrichen meist deutlich abhebt. Dieser...
