Verlorene Paradiese
Es ist nicht anzunehmen, dass Werner Egk Kenntnis vom fulminanten literarischen Debüt «The Recognitions» von William Gaddis besaß. Die deutsche Übertragung dieses megalomanen, 1955 erschienenen Romans, der anhand der Geschichte des genialisch veranlagten Kunstfälschers Wyatt Gwyon in süffig-süffisanter Brillanz mit der bigot -ten US-Gesellschaft der McCarthy-Ära abrechnet, wurde erst lange nach Egks Tod in Umlauf gebracht.
Der Titel dieser grandiosen Anverwandlung («Die Fälschung der Welt») hätte dem Komponisten allerdings mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gefallen; denn auch er war ein Meister subjektiver Geschichtsschreibung – Beleg ist seine Autobiographie «Die Zeit wartet nicht», in der Egk insbesondere sein Wirken während des Nationalsozialismus in zartesten Farben zeichnet und sich post festum sogar zum kafkaesken (Prozess-)Opferlamm Werner E. stilisiert.
Die Realität sah ein wenig anders aus. Während jüdische (Opern-)Komponisten wie Kurt Weill, Erich Wolfgang Korngold oder Arnold Schönberg vor den Nazis ins US-amerikanische Exil flohen, um ihr Leben zu retten, während solche Tonsetzer, denen die Flucht nicht rechtzeitig gelang, in den Konzentrationslagern ermordet wurden ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
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