Wa(h)re Mutterliebe
Das ist ein genialer Kerl», notierte Alma Mahler in ihrem Tagebuch. Gemeint war jedoch nicht ihr Gatte Gustav, mit dessen Musik sie lebenslang fremdelte, sondern die Jugendliebe Alexander Zemlinsky. Während seine Opern «Eine florentinische Tragödie» und «Der Zwerg» mittlerweile regelmäßig auf den Bühnen zu erleben sind, war eine Erinnerung an sein letztes vollendetes Bühnenwerk «Der Kreidekreis» überfällig.
Mit den ersten Takten ist ein für Zemlinsky neuer Ton zu erleben: über einem kalt-pendelnden Ostinato der tiefen Holzbläser erhebt sich eine laszive Saxophon-Melodie, exotisch parfümiert: Das hätte auch vom großen Kurt sein können – den Zemlinsky gut kannte, er hat 1931 die Berliner Premiere von Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» dirigiert. Auch aus dem Auftritt des Kupplers Tang, der die vierte Wand durchbricht und das Publikum anspricht, weht der Zeitoperngeist nach dem Ersten Weltkrieg, bis die Nazis dem ein Ende machten.
Nicht nur die Musik schlägt einen neuen Weg ein (im nachgelassenen, 1996 erfolgreich rekonstruierten «König Kandaules» verlässt Zemlinsky ihn wieder), auch die gewählte Fabel überrascht. Die Libretto-Vorlage, Klabunds Schauspiel gleichen Titels, ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Götz Thieme
All die vielen kleinen Motive, die Leoš Janáček dem Duktus des Tschechischen abgelauscht und in rhythmische Floskeln, gackernde Holzbläsereinwürfe und prägnante Melodien übersetzt hat, rauschen sprechend an uns vorüber – mitunter in manischer Erregtheit, dann auch mal mit versteckter Hinterlist. Dirigent Alexander Joel hat mit dem Orchestre de l’Opéra de Lyon...
Die beiden Vivaldi-Opern, die im Juni in Venedig und Paris aufgeführt wurden, spiegeln in ihren Inszenierungen zwei ganz unterschiedliche Arten, wie Barockoper heute gezeigt werden kann: modernisiert oder eher klassisch. Welcher Ansatz trifft besser? Antonio Vivaldi jedenfalls schrieb seine Dramme in musica mit einer gewissen Lässigkeit. Es war nicht ungewöhnlich,...
Mehr norwegische Geschichte rund um ein kleines Dorf geht wohl kaum: Die Kirche auf dem unfernen Hügel etwa war eine der «Valgkirken» (Wahlkirchen), in der 1814 die erste Wahlrunde zum norwegischen Reichstag stattfand; schon im 9. Jahrhundert brach auf dem Eis des Sees Randsfjorden Hálvdan der Schwarze samt Gefolge tödlich auf dem Eis ein, der Vater des ersten...
