Sozialismus einmal heiter
Eine Operette, die keine Adligen, keine reichen Bürgersleut’ in den Mittelpunkt stellt, sondern gewöhnliche Werktätige? Aber ja, die gibt es, Gerd Natschinski hat sie komponiert. Sein «Messeschlager Gisela» wurde 1960 am Metropol-Theater in Berlin uraufgeführt, dem heutigen Admiralspalast, und war in der DDR ein großer Hit – bis zum Mauerbau ein Jahr später. Danach hatte das Stück, in dem die Figuren noch freizügig zwischen Schauplätzen in Ost und West pendeln, keine Chance mehr auf den Spielplänen.
Frisches Leben eingehaucht hat ihm jetzt die Komische Oper Berlin, die ihrerseits zwischen den Spielstätten pendelt; das Stammhaus in der Behrenstraße wird renoviert und erweitert. Um während dieser Zeit in der ganzen Stadt präsent zu sein, beschränkt man sich nicht nur auf das Ausweichquartier im Schiller Theater, sondern bespielt zudem den Flughafen Tempelhof oder die riesige Leerfläche vor dem Roten Rathaus, die sich dort anstelle der früheren Berliner Altstadt breitgemacht hat. Dort, zwischen Rosenbeeten und Betonspringbrunnen, wurde jetzt das rotschimmernde Art-Déco-Zelt «Queen of Flanders» aufgebaut. Es bringt Bar-jeder-Vernunft-Feeling in die urbane Ödnis und beschert dem ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Udo Badelt
Vor zwei Spielzeiten wurde an der Pariser Opéra Comique Glucks «Armide» aufgeführt – mit dem Originalklangensemble Les Talens Lyriques unter Leitung von Christophe Rousset und in einer Inszenierung durch Lilo Baur. Das gleiche Team verantwortete nun die «Armide» von Jean Baptiste Lully. Nachdem die Schweizer Regisseurin bereits 2022 für ihren übertriebenen...
Ich weiß nicht, wohin ich von hier aus gehen werde, aber ich verspreche, ich werde Sie nicht langweilen», so lautete der mittlerweile ikonische Satz, mit dem David Bowie das Publikum ansprach, nachdem er während des Konzerts im New Yorker Madison Square Garden 50 Kerzen auf seiner Geburtstagstorte ausgeblasen hatte. Und er hielt, was er versprach – das Chamäleon...
Es ist nicht anzunehmen, dass Werner Egk Kenntnis vom fulminanten literarischen Debüt «The Recognitions» von William Gaddis besaß. Die deutsche Übertragung dieses megalomanen, 1955 erschienenen Romans, der anhand der Geschichte des genialisch veranlagten Kunstfälschers Wyatt Gwyon in süffig-süffisanter Brillanz mit der bigot -ten US-Gesellschaft der McCarthy-Ära...
